Pflicht zur Altersprüfung: Britische Zugriffe auf Pornowebseiten brechen ein

Seit Ende Juli müssen Pornoseiten in Großbritannien "hochwirksam" das Alter der User prüfen. Die Zugriffe haben sich teilweise halbiert, legen erste Daten nahe.

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Man im Bett hält Smartphone in der Hand, das verdeckt das Gesicht

(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Nachdem Pornowebseiten in Großbritannien damit begonnen haben, das Alter ihrer Nutzer und Nutzerinnen zu verifizieren, sind die Zugriffe massiv eingebrochen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Daten der Analysefirma Similarweb. Demnach sind die Zugriffe auf Pornhub innerhalb von zwei Wochen nach dem Inkrafttreten der Vorgaben des Online Safety Acts um 47 Prozent gesunken, denselben Wert hat Similarweb demnach für XVideos ermittelt. Der Traffic zu xHamster sei in dem Zeitraum um 39 Prozent gefallen. Damit hat sich der Traffic aus Großbritannien zu den drei größten Pornowebseiten teilweise fast halbiert. Parallel dazu hätten kleinere Plattformen – die sich mutmaßlich nicht immer an die Vorgaben halten – "dramatisch" an Reichweite gewonnen.

Die Pflicht zur Altersverifizierung dient dem Schutz von Minderjährigen vor jugendgefährdenden Inhalten. Auch soziale Netzwerke und Portale zur Kommunikation von Usern mit Usern müssen sich daran halten. Bei dem Kurznachrichtendienst X und dem Social-News-Aggregator Reddit hat Similarweb dem Bericht zufolge aber keinen vergleichbaren Abfall der Zugriffe festgestellt. Bei denen seien die Zahlen vergleichsweise stabil. Die Zeitung verweist darauf, dass die Nutzung von VPN-Diensten im Vereinigten Königreich nach Inkrafttreten der Vorgaben massiv zugenommen hat. Wer die nutzt, um damit auf Pornowebseiten zuzugreifen, würde für Similarweb nicht mehr Großbritannien zugeordnet. In welchem Ausmaß das geschieht, sei unklar.

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Die Pflicht zur Umsetzung "hochwirksamer" Maßnahmen der Altersverifikation für Seiten mit benutzergeneriertem pornografischem Material gilt seit dem 25. Juli. Nachdem sich die Anbieter der Pornowebseiten lange dagegen gewehrt haben, waren sie kurz davor eingeknickt und hatten den Vorgaben Folge geleistet. Zu den Zahlen von Similarweb heißt es von Pornhub nun, dass man schon in vielen anderen Ländern beobachtet habe, wie derartige Regeln zu einem Rückgang der Zugriffe auf Seiten führen, die sich daran halten, während Portale, die das nicht tun, einen Anstieg verzeichnen, zitiert die Financial Times.

Laut der Zeitung werden die Vorgaben von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Kritik gab es aber an der Umsetzung der Altersverifikation. Vorgebracht werden dabei vor allem Datenschutzbedenken. Schon kurz nach dem Inkrafttreten hat ein Entwickler zudem gezeigt, wie sich die Maßnahmen mit einfachsten Mitteln umgehen lassen. Kritik am Online Safety Act übt außerdem die Wikimedia Foundation, die die Wikipedia betreibt. Sie wollte per Gerichtsentscheidung erreichen, dass die strengsten Vorschriften nicht für die Onlineenzyklopädie gelten, ist damit aber erst einmal gescheitert. Dass die überhaupt für die Wikipedia mit ihren benutzergenerierten Lexikonartikeln gelten könnten, ist vermutlich keine Absicht.

(mho)