Die veraltete Regierung ihrer Majestät

Im Vereinigten Königreich arbeiten Behörden immer noch mit einer uralten Internet-Software - und sind sogar noch stolz darauf.

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Im Vereinigten Königreich arbeiten Behörden immer noch mit einer uralten Internet-Software – und sind in Reaktion auf eine Bürgerpetition, die eine Modernisierung fordert, sogar noch stolz darauf.

In Großbritannien soll ja seit kurzem eine neue Zeit angebrochen sein – der neue, konservative Ministerpräsident und sein liberaldemokratischer Koalitionspartner gelten als modern, besitzen offenbar ausreichende Internet-Kenntnisse und treten sogar bei hippen Technologiekonferenzen auf. Auf speziellen Online-Plattformen darf man mittlerweile seine Meinung sagen oder der Regierung beispielsweise beim Sparen helfen.

Offensichtlich ist das Government 2.0 allerdings noch nicht in allen Bereichen des Apparates angekommen, wie nun diese Affäre zeigt: Der Internet-Experte Dan Frydman hatte sich das neue Online-Petitionssystem von Cameron und Clegg zu Herzen genommen und die Forderung aufgestellt, die Regierung solle doch endlich einmal ihre interne Technik auf einen modernen Web-Browser umstellen. Dort wird nämlich nach wie vor Microsofts Uralt-Programm Internet Explorer 6 eingesetzt, für die auch die meisten staatlichen Seiten nach wie vor optimiert sind.

Es geht dabei nicht einmal um Bashing des Software-Riesen – der will IE6 nämlich mittlerweile selbst killen. Schon der Umstieg auf Internet Explorer 8 würde Frydman deshalb ausreichen, wenn die Beamten schon nicht zum populären Open-Source-Programm Firefox greifen. Über 6000 Personen unterzeichneten die Petition.
Aber Pustekuchen: In einer Stellungnahme, die vor Stiff Upper Lip nur so strotzte, schrieben die Beamten nun, es sei einfach zu kompliziert und koste zu viel, einen neuen Browser einzusetzen. Außerdem sei "nicht bewiesen", dass ein "voll gepatchter" IE6 unsicherer als eine neue Version sei. "Komplexe Software hat immer Lücken." Aus diesem Grund sei es "für den Steuerzahler besser", wenn ihre königliche Regierung bei der alten Software bleibe.

Dabei verlassen sich die Beamten ganz auf Microsoft, von wo man sich offenbar noch lange Sicherheitsaktualisierungen für die Uralt-Software erwünscht. Wenn die Regierung sich dabei mal nicht täuscht. Microsoft selbst vergleicht IE6 mit schlecht gewordener Milch. "Als Internet Explorer 6 2001 herauskam, hatte die Software für den damaligen Zeitpunkt die beste Sicherheit." Genau das sei nun vorbei. Fazit: Weitere Datenskandale made in UK sind programmiert. (bsc)