Deutsche Bürokratie und Finanzierung größte Hürden für Start-ups

37 Prozent der deutschen Start-ups wachsen – aber 31 Prozent müssen kämpfen. Und 15 Prozent fürchten sogar eine Insolvenz dieses Jahr.

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Euro, Geld, Aktienkurse

(Bild: isak55/Shutterstock.com)

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Wirtschaftlich geht es deutschen Start-ups weiterhin sehr unterschiedlich. Laut einer aktuellen Befragung von 152 Tech-Gründern im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom hat sich für mehr als ein Drittel (37 Prozent) die wirtschaftliche Situation in den vergangenen zwei Jahren verbessert – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als das 31 Prozent meinten. Gleichzeitig berichten aber 31 Prozent von einer Verschlechterung, was im Vergleich zu 24 Prozent im Vorjahr ein deutlicher Anstieg ist. Der Anteil der Start-ups, die eine stabile Lage ohne große Veränderungen verzeichnen, sank von 41 auf 28 Prozent.

Während viele Gründer ihre eigene Situation trotz Herausforderungen noch leicht positiv bewerten, schätzen sie die allgemeine konjunkturelle Lage für Start-ups insgesamt kritischer ein: Nur 21 Prozent sehen eine Verbesserung, 47 Prozent hingegen eine Verschlechterung. Besonders alarmierend ist, dass mehr als jedes siebte Start-up (15 Prozent) befürchtet, in den kommenden zwölf Monaten insolvent zu werden – ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr (11 Prozent) deutlich gestiegen ist.

Die größten Herausforderungen aus Sicht der Start-ups sind die Bürokratie (63 Prozent), Vertrieb und Kundengewinnung (61 Prozent) sowie Finanzierung und Kapitalbeschaffung (52 Prozent). Fast zwei von fünf Gründern sehen zudem den Zugang zu öffentlichen Aufträgen als ein großes Hemmnis. Genauso viele (39 Prozent) nennen als Hürde ihr späteres Wachstum und die Skalierung ihres Geschäftsmodells. Rechtsunsicherheiten bei regulatorischen Anforderungen wie Datenschutz oder dem AI Act binden ein Drittel der jungen Unternehmen, gefolgt von Produktentwicklung (21 Prozent), Fachkräftemangel (19 Prozent), technologischen Herausforderungen (16 Prozent), fehlender Nachfrage (13 Prozent) sowie Wettbewerbsdruck (11 Prozent).

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Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betont die Bedeutung eines konsequenten Bürokratieabbaus und einer Staatsmodernisierung, um den Standort für Start-ups attraktiver zu machen. Er fordert zudem eine erleichterte Vergabe öffentlicher Aufträge an junge Unternehmen, was nicht nur diesen, sondern auch dem Staat als innovativem Auftraggeber zugutekommen würde.

Die Umfrage wurde im Zeitraum der Kalenderwochen 12 bis 21 im Jahr 2025 durchgeführt und ist nicht repräsentativ. Der Bitkom betont jedoch, dass sie ein aussagekräftiges Bild der Stimmung in der deutschen Startup-Szene widerspiegeln würde. Details zur Methodik und den Ergebnissen finden sich hier. Aber selbst bei leicht abweichenden Zahlen zeigen die Daten, dass sich Start-ups in Deutschland in einem herausfordernden Umfeld befinden, in dem sich Wachstum und Schwierigkeiten eng die Waage halten.

(fo)