Deutschland gegen Google
Man kann ja in Deutschland viel machen, aber dem Deutschen sein Häuschen in’s Internet stellen, damit irgendwelche Verbrecher sich in aller Ruhe am heimischen Bildschirm Einstiegspunkte und Fluchtrouten aussuchen kann, das geht nicht.
Jetzt reichts. Jetzt habt ihr überrissen, Google. Man kann ja in Deutschland viel machen, aber dem Deutschen sein Häuschen in’s Internet stellen, damit irgendwelche Verbrecher sich in aller Ruhe am heimischen Bildschirm Einstiegspunkte und Fluchtrouten aussuchen kann, das geht nicht. Wie, man kann sich beschweren? Und dann wird man da rausgelöscht, aus dem Street View? Haben wir gelacht - da kriegt Google doch die Adressen der renitenten Datenverweigerer auf dem Silbertablett serviert. Und wer weiß, was die damit machen?
Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann ist als echter Niedersachse „sturmfest und erdverwachsen“ fest in heimatlicher Scholle verwurzelt. Und obwohl in Dörpen, in der Meisenstraße wahrscheinlich niemals ein Google-Auto vorbeikommen wird, forderte Busemann im Gespräch mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" die Einrichtung einer staatlichen, von Google unabhängigen Beschwerdestelle, die Widersprüche gegen Street View bearbeiten und anonym an den Konzern weiterleiten soll.
Donnerlüttchen, habe ich gedacht, als ich das gelesen habe. Die CDU in Niedersachsen kann ja richtig kämpfen für den Datenschutz und die Bürgerrechte. So kennen wir die ja sonst gar nicht. "Es kann nicht sein“, hat der Minister entschieden festgestellt, „dass die Bürger Google ihre Daten schicken müssen, um Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Fotos ihrer Häuser einzulegen." Nachher merken sich das. Und schicken ihre schwarzen Hubschrauber.
Dann schon besser ein staatlicher Datenproxy zur Anonymisierung von Beschwerden. Ich hätte da auch schon einen innovativen Vorschlag, wen man mit der Leitung einer solchen Stelle beauftragen könnte: Dr. Helmut Kohl. Der hat nicht nur das richtige Parteibuch. Bevor der Daten freiwillig rausrückt, können auch alle anderen schwarz werden.
(wst)