Teuer und überflüssig?
Bisher haben wir, hartleibige Technik-Optimisten, die wir sind, Smart Meter für eine gute Sache gehalten. Jetzt erfahren wir, dass wir ganz schön falsch liegen.
Bisher haben wir, hartleibige Technik-Optimisten, die wir sind, Smart Meter für eine gute Sache gehalten. Sicher, es gibt ein paar Sicherheitsbedenken, aber grundsätzlich könnten miteinander vernetzte Verbrauchsgeräte und Zähler doch helfen, Energie – und damit Geld – zu sparen. Denn mit Hilfe dieser Technologie soll die Waschmaschine ja nur dann laufen, wenn der Strom dafür auch billig genug ist.
Nun zitiert der Spiegel in seiner Online-Ausgabe Experten, die diesen Einspareffekt für grob überschätzt halten: So soll etwa die Bundesnetzagentur, die den smarten Stromzähler noch im Frühjahr exzessiv gelobt hat, jetzt von einem Sparpotenzial von 12 bis 50 Euro ausgehen. Pro Jahr. Auch das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste in Bad Honnef, nach eigenen Angaben hervorgegangen aus einer Ideenschmiede des damaligen Bundespostministeriums, geht ebenfalls von maximal 42 Euro Einsparung pro Jahr und Haushalt aus, und das, obwohl ein solcher Zähler inklusive Installation bis zu 240 Euro kosten kann. Das, so schließt der schlaue Leser gleich, rechnet sich nicht. Und wer will schon die Entscheidung, wann die Waschmaschine läuft, allein dem Strompreis überlassen? Dann schleudert die womöglich am frühen Morgen und weckt mich aus dem Schlaf? Das kann kein echter Fortschritt sein.
Nun ist das eigentlich alles nicht weiter erstaunlich. Der Einspar-Effekt ist direkt von den Tarifunterschieden abhängig. Und die sind sehr klein. Zwar müssen die Stromanbieter ab 2011 auch einen variablen Tarif anbieten, aber nach den Buchstaben des Gesetzes dürfte es reichen, wenn dieser Tarif schlicht in zwei Zeitzonen geteilt ist – was nichts anderes ist als der gute, alte Nachtstrom. Einen echten, variablen Tarif, der beispielsweise an die Preise der Strompreisbörse gekoppelt ist, kann es nach der Logik der Stromlieferanten nur dann geben, wenn sie nicht nur die Preisvorteile, sondern auch die Nachteile an ihre Kunden weitergeben können. Mit anderen Worten: Der Kunde soll nicht nur von billigem Windstrom zu lastarmen Zeiten profitieren, sondern für den teuren Spitzenlaststrom auch richtig kräftig zahlen.
Es gehört nicht allzuviel Verschwörungstheorie dazu, in dem jetzt anlaufenden Smart-Meter-Bashing verschiedenster Institute eine psychologische Vorbereitung auf diese „finale Liberalisierung“ des Energiemarktes zu sehen. Das Ganze wird ausgehen wie die so genannte Liberalisierung des Telefonmarktes: Als es die gute, alte Bundespost noch gab, konnte ich innerhalb von Hannovers für 23 Pfennig den ganzen Tag lang telefonieren. Jetzt kann ich für dieses Geld vielleicht grade mal eine Minute lang quatschen. Ich denke, die Energie-Geschichte wird so ähnlich laufen – wo Geschäfte gemacht werden, gibt es halt immer Gewinner und Verlierer. Wer mit dem Teufel essen will, hat meine Oma immer gesagt, braucht eben einen langen Löffel. (wst)