Britische Zugriffe auf Pornowebseiten ohne Altersprüfung in die Höhe geschossen
Eigentlich müssen Portale mit pornografischen Inhalten das Alter von Besuchern aus Großbritannien prüfen. Mehrere tun dies aber nicht – und wachsen nun stark.
(Bild: Tero Vesalainen/Shutterstock.com)
Pornowebseiten, die sich in Großbritannien nicht an die neue Pflicht zur Altersverifizierung halten, haben teilweise massiv an Besuchen gewonnen. Das hat eine Analyse der Washington Post ergeben, die dafür insgesamt 90 Portale analysiert hat, die pornografische Inhalte verbreiten. Wie die US-Zeitung ausführt, hat sie dabei 14 Seiten gefunden, die sich überhaupt nicht an die neue Pflicht halten. Alle hätten laut Daten von Similarweb massiv an Traffic gewonnen, gegenüber dem Vorjahr hätte sich die Zahl der Besuche teils verdoppelt oder gar verdreifacht. Gleichzeitig hat die Zeitung noch herausgefunden, dass Portale, die augenscheinlich versuchen, den Vorgaben zu entsprechen, dies teils "merkwürdig" oder "seltsam" tun würden. Ein Experte spricht demnach insgesamt von "unbeabsichtigten Konsequenzen".
Ganz unterschiedliche Herangehensweise
Die britische Pflicht zur Umsetzung "hochwirksamer" Maßnahmen der Altersverifikation für Seiten mit benutzergeneriertem pornografischem Material gilt seit dem 25. Juli. Nachdem sich die großen Anbieter solcher Portale anfangs dagegen gewehrt hatten, waren sie schließlich eingeknickt und hatten den Vorgaben Folge geleistet. Schon kurze Zeit später haben die ersten Analysen den Warnungen der Anbieter scheinbar recht gegeben, Zugriffe aus Großbritannien auf Portale, die sich das Alter verifizieren lassen, waren eingebrochen. Dass parallel dazu aber Anbieter profitierten, die sich nicht daran halten, konnte damals nur vermutet werden, die Washington Post hat das nach eigenen Angaben nun bestätigt.
Bei der Recherche hat die US-Zeitung Portale gefunden, die die Aufforderung der Verifizierung des Alters erst anzeigen, wenn ein Video bereits eine Weile angesehen wurde. Andere zeigen demnach pornografische Werbung oder Vorschaubilder auch an jene Besucher und Besucherinnen, die nicht nachgewiesen haben, dass sie alt genug sind. Teilweise würden Seiten auch erklären, wie man die Sperren etwa mit dem Tor-Browser umgehen könne. Viele würden aber lediglich auf einen anonymen Blogeintrag verlinken, in dem die Pflicht kritisiert wird und in einem Fall würde der Weg zu einer Petition gegen das zugrundeliegende Gesetz gewiesen. Unbekannt ist, wie viele Menschen in Großbritannien VPN-Dienste nutzen, um auf die Seiten zu gelangen, ihre Besuche würden dann nicht mehr Großbritannien zugeordnet.
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Die Washington Post hat das Ergebnis des Vergleichs der britischen Medienaufsicht Ofcom übermittelt, die habe aber eine Kommentierung einzelner Portale abgelehnt. In einer ersten Untersuchung von Seiten, die der Pflicht nicht nachkommen, hat die Zeitung nach eigenen Angaben nur eine der 14 gefunden, die der Pflicht aktuell nicht nachkommen. Die Pflicht zur Altersverifizierung soll dem Schutz von Minderjährigen vor jugendgefährdenden Inhalten dienen, auch soziale Netzwerke und Portale zur Kommunikation von Usern mit Usern müssen sich daran halten. Erste Analysen haben bei solchen Diensten aber noch keine vergleichbare Verschiebung der Besuchszahlen festgestellt.
(mho)