Betrug mit Apple-Gutscheinkarten: Banden aus China in Nordeuropa aufgeflogen

Hunderte Gutscheinkarten für Apple-Produkte, gekauft mit gestohlenen Kreditkarten: In Skandinavien wurden mehrere chinesische Ganoven in Supermärkten erwischt.

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Gutscheinkarten von Apple

Gutscheinkarten von Apple, hier in Amerika: eine Währung für alle Apple-Produkte, digital wie physisch.

(Bild: Shutterstock/Jonathan Weiss)

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Einem Bericht des norwegischen Senders NRK zufolge wurden in dem Land mehrere chinesische Staatsbürger überführt, die mit gestohlenen Kreditkarten zahlreiche Apple-Gutscheinkarten erworben haben. Dabei scheint es sich um organisierte Banden zu handeln, die mit Listen von Supermärkten in kleineren und größeren norwegischen Orten ausgestattet sind. Sie ziehen von Geschäft zu Geschäft und erwerben dann die Karten an Selbstbedienungskassen. Einer der Gefassten soll an nur einem Tag 126 Apple-Gutscheinkarten erworben haben.

Die Betrüger agieren dabei ferngesteuert und sind per Mobilfunkverbindung mit ihren im Dunkeln bleibenden – und vermutlich auch chinesischen – Auftraggebern, die sie über soziale Netzwerke angeworben haben sollen, verbunden. Auf ihre Android-Geräte werden ihnen dann über Phishing-Angriffe vor allem in Europa und den USA ergaunerte Kreditkartendaten eingespielt, mit denen sie bezahlen. Anschließend senden sie Fotos der freigeschalteten Apple-Gutscheinkarten an die Auftraggeber. Dafür erhalten sie teils hohe Geldbeträge, in Einzelfällen über 3000 Euro für einen Tag Arbeit bei einem Besuch von sieben Supermärkten und 119 erworbenen Apple-Gutscheinkarten, schreibt NRK.

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Apple-Gutscheinkarten gelten aus mehreren Gründen für Kriminelle als attraktiv: Sie eignen sich für den Kauf digitaler wie physischer Güter bei dem Konzern (App Store wie Apple Store), sind weit verbreitet und lassen sich daher schnell zu Geld machen – und sie scheinen schwer rückverfolgbar zu sein und eignen sich somit für diese Form der Geldwäsche. Besonders Letzteres verwirrt: Zumindest eine Verknüpfung der (gestohlenen) Kreditkarte mit einem Apple-Gutscheincode müsste möglich sein, um diesen dann zu sperren. Ob das (und wie oft) in der Praxis erfolgt, bleibt unklar.

Die Karten werden laut NRK über spezielle Software auf das Handy der Bandenmitglieder übertragen, die auf Android-Geräten laufen. Die Karten selbst scheinen nach dem Phishing mittels Apple Pay oder Google Pay erstellt zu werden. Dabei verwenden die Betrüger besonders gerne norwegische Karten, weil sich diese normalerweise via SMS verifizieren lassen, was die Phishing-Opfer oft selbst täten, weil sie dächten, eine korrekte Zahlung zu bestätigen, schreibt NRK in einem weiteren Bericht.

Apple hat die Vorfälle bislang nicht kommentiert. In Norwegen wurden mindestens zwei Personen aus China verurteilt, eine Person zu sieben Monaten Haft wegen Geldwäsche, eine andere zu einer Geldstrafe, die dann nach Androhung von Gefängnis auch bezahlt wurde. Beide Personen wurden abgeschoben. Mindestens drei weitere Bandenmitglieder wurden hingegen nicht erwischt. Es gibt offenbar eine hohe Dunkelziffer.

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(bsc)