Glukose-Wächter geht unter die Haut

US-Forscher haben ein Blutzuckermessgerät für Diabetiker entwickelt, das vollständig in den Körper eingepflanzt werden kann und seine Daten per Funk versendet.

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US-Forscher haben ein Blutzuckermessgerät für Diabetiker entwickelt, das vollständig in den Körper eingepflanzt werden kann und seine Daten per Funk versendet.

Wissenschaftler an der University of California in San Diego (UCSD) haben ein
neuartiges Blutzuckermessgerät für Diabetiker entwickelt, das sich rückstandslos implantieren lässt. Anders als bei bereits erhältlichen Glukose-Monitoren muss vom Sensor kein Draht mehr durch die Haut zum Empfänger geführt werden. Stattdessen funkt die Komponente die alle paar Minuten neu ermittelten Werte an ein externes Lesegerät oder einen Computer.

Die Technik, die vom US-Unternehmen GlySens kommerzialisiert werden soll, wurde bereits zwei Jahre lang erfolgreich im Tierversuch geprüft und soll demnächst in erste klinische Tests am Menschen gehen. Das Gerät hat einen Durchmesser von drei Zentimetern und ist nur einen Zentimeter dick.

Die Operation zum Einsetzen kann ambulant vorgenommen werden. Dabei wird das Gerät in den Brustbereich des Patienten eingepflanzt. Im Gegensatz zu bereits auf dem Markt befindlichen Dauermessgeräten "steht nichts aus dem Körper hervor", erläutert der Erfinder David Gough, Bioingenieur an der UCSD.

Sinn der ständigen Messung ist ein deutlich besseres Management von Diabetes. Derzeit müssen Betroffene mehrere Male am Tag mit kleinen Nadeln Blutproben nehmen, was auf Dauer sehr unangenehm sein kann. Zudem sind die Werte nicht immer genau. Das GlySens-Gerät soll häufiger und präziser messen. So kann der Patient das zu spritzende Insulin viel genauer dosieren.

Das neue Gerät misst den Blutzuckerspiegel über ein Enzym namens Glucose-Oxidase. Wenn der Glukose-Wert hoch ist, erfolgt eine Reaktion, die Sauerstoff verbraucht, was sich wiederum über einen Sauerstoffmelder feststellen lässt. Größte Herausforderung sei gewesen, einen Sensor zu entwickeln, der sich für die Langzeitmessung direkt im Körper eignet, erklärt Gough. Dazu musste das Messenzym mit einem weiteren Enzym stabilisiert werden, das toxische Nebenprodukte der Reaktion eliminiert.

Im Tierversuch an Schweinen funktionierte das erstaunlich gut. Steven Russell, Forscher und Arzt am Massachusetts General Hospital, der Goughs Arbeit kennt, zeigt sich beeindruckt. "Es ist erstaunlich, dass das Gerät in diesen Experimenten fast zwei Jahre lang durchhielt und dabei auch noch relativ stabil funktionierte." Auch die Genauigkeit geben die UCSD-Forscher als gut an - mindestens auf dem Niveau subkutaner Sensoren. "Allerdings noch nicht das der allerbesten verfügbaren", so Russell.

Gough will sich nun über GlySens an die Ausentwicklung des kommerziellen Produktes machen. Das könnte, sagen Experten, noch ein langer Weg werden. Zumal sich der Trend momentan wieder weg von Langzeitmessgeräten hin zu kurzfristig austauschbaren Sensoren zu bewegen scheint, wie Roman Hovroka von der University of Cambridge in Großbritannien sagt. "Ein implantierbarer Sensor soll ein besseres Gesundheitsergebnis liefern. Doch das muss auch gegengerechnet werden." Übersetzung: Ein jährlich durchzuführendes neues Implantat würden sich wohl die wenigsten Diabetiker zumuten. (bsc)