Runder Tisch zur digitalen Dividende angeregt
Ein runder Tisch soll auf Anregung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie mögliche Störungen bei der Nutzung der digitalen Dividende durch Mobilfunkdienste vermeiden helfen und die Differenzen der beteiligten Branchen beilegen.
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat am Wochenende auf der IFA in Berlin einen "runden Tisch" zur störungsfreien Nutzung der Funkfrequenzen im Bereich der sogenannten Digitalen Dividende angeregt. ZVEI-Vizepräsident Hans-Joachim Kamp sprach laut Mitteilung der Initiative Deutsche TV-Plattform von über 30 Millionen Geräten, die möglicherweise durch Mobilfunkdienste auf den ehemaligen Runfunkfrequenzen gestört werden könnten. Bei der Frequenzzuteilung müsse eine Störung des Fernsehempfangs ausgeschlossen werden, bevor die ersten LTE-Dienste in Betrieb gehen.
Im Rahmen des Forums "Digitale Dividende – was nun?" am Samstag auf der IFA diskutierten Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und Politik in Berlin, wie Mobilfunk und Rundfunk in unmittelbarer Frequenznachbarschaft koexistieren können, ohne dass es zu befürchteten Störungen des Fernsehempfangs über Kabel (DVB-C) oder DVB-T kommt. Dafür müsse auch die Bundesnetzagentur sorgen, erklärte ein Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums laut Mitteilung. Die Frequenzen der digitalen Dividende dürften erst dann genutzt werden, wenn eine Verträglichkeit gesichert sei.
Während Kabelnetzbetreiber und Fernsehbranche mehr Verbindlichkeit bei Maßnahmen gegen potenzielle Störungen fordern, sieht die Mobilfunkbranche nur ein relativ geringes Störrisiko durch LTE, wie ein Vertreter des Ausrüsters Nokia Siemens Networks erläuterte. Bis zu robusten neuen Standards müsse es allerdings "Übergangsmaßnahmen" geben. Für den von den beteiligten Branchen gewünschten Dialog fand der vom ZVEI ins Spiel gebrachte runde Tisch breite Unterstützung, hieß es in der Mitteilung weiter.
Mit "digitale Dividende" werden Frequenzen bezeichnet, die im Zuge der Digitalisierung der Rundfunkausstrahlung freigeräumt wurden. Das Spektrum im 800-MHz-Bereich war zusammen mit weiteren Frequenzen im Mai von der Bundesnetzagentur unter den Mobilfunkanbietern versteigert worden - für insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Im Rahmen der Breitband-Initiative der Bundesregierung soll die digitale Dividende zum Ausbau von Breitbandzugängen in bisher unterversorgten Gebieten genutzt werden.
Gegen die Umwidmung des ehemals vom Rundfunk und der Veranstaltungstechnik genutzten Spektrums hatte es auch Widerstände gegeben. So fürchten unter anderem die Kabelnetzbetreiber Störungen durch die Mobilfunkanlagen. Auch die Veranstaltungsbranche wies auf mögliche Störungen ihrer bisher auf den versteigerten Frequenzen sendenden Anlagen sowie hohe Investitionen in neue Technik hin. Die Veranstalter sollen auf neue Frequenzen umsteigen, die die Bundesnetzagentur im März zugewiesen hatte. (vbr)