Computex: Neue Boards für Intel und AMD

Viele der auf der Computex vorgestellten Mainboards nutzen Intels neue Chipsätze 945P, 945G und 955X oder folgen dem Trend, zwei Grafikkarten-Slots vorzusehen.

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Viele der auf der Computex vorgestellten Mainboards nutzen Intels neue Chipsätze 945P, 945G und 955X oder folgen dem Trend, zwei Grafikkarten-Slots vorzusehen -- oder implementieren beides.

Die meisten der Boards für zwei Grafikkarten haben zwei PEG-Slots (PCI Express for Graphics, x16), einige auch einen PEG- und einen AGP-Slot. Letzterer ist beim ULi-Chipsatz M1695 mit voller AGP-8X-Geschwindigkeit angebunden, bei anderen Chipsätzen mit niedrigerer PCI-Transferrate. Der AGP ist auch auf Boards mit dem Intel-Chipsatz 915PL zu finden und ermöglicht beispielsweise preiswerte Firmenrechner durch den Einsatz von schon vorhandenen oder billig aufgekauften AGP-Grafikkarten.

Die Boards mit zwei PEG-Slots zielen auf zwei Märkte: Mit zwei unabhängigen Karten lassen sich vier oder mehr Monitore anschließen, und zwei per Nvidias SLI oder ATIs Crossfire gekoppelte Karten erhöhen die 3D-Spiele-Performance auf ein bislang unerreichtes Niveau. Für Crossfire und SLI verweisen ATI und Nvidia vor allem auf ihre eigenen Chipsätze Radeon Xpress 200 und nForce4 SLI, doch auch mit anderen Chipsätzen inklusive denen des jeweiligen Mitbewerbers könnte der Doppelbetrieb funktionieren, sofern die Treiber das unterstützen. Der Betrieb auf Boards mit asymmetrischer Anbindung der PEG-Slots -- Boards mit dem Intel 915, 945 und 955 haben einen mit 16 PCIe-Lanes aus der Northbridge und einen mit 4 PCIe-Lanes aus der Southbridge versorgten PEG-Slot -- befinde sich derzeit in der Testphase.

Die zwei PEG-Slots schränken wiederum die Erweiterbarkeit der Boards mit normalen PCI-Express-Karten ein: Bei vielen SLI- und Crosssfire-Boards sitzen die PCIe-Slots direkt neben den Grafikkarten-Slots und sind damit kaum nutzbar, weil die meisten der Highend-Grafikkarten den nebenliegenden Slot mit ihren dicken Kühlern blockieren. Bei den Intel-Lösungen sind die PCIe-Lanes der Southbridge ohnehin für den zweiten Grafik-Slot aufgebraucht. Abhilfe schaffen Boards wie das MSI P4N SLI oder EPoX 9PNA+ SLI (beide nForce4 SLI) mit zwei rechts von den PEG-Slots liegenden PCIe-Slots.

EPoX zeigt mit dem EP-8NPA3J-SLI das einzige SLI-Boards für AMDs Sockel-754-Prozessoren. Beim Jetway 939GT4-SLI-G mit drei PEG-Slots sind übrigens nicht alle drei gleichzeitig nutzbar, sondern es entfällt lediglich die Umschaltung zwischen SLI- und Normalbetrieb: Der mittlere Slot ist für den Einzelbetrieb mit 16 PCIe-Lanes versorgt, die beiden äußeren für den SLI-Betrieb mit je acht.

Die zahlreichen Boards mit den neuen Intel-Chipsätzen 9485P, 945G und 955X bieten viele Variationen, aber nur wenige Überraschungen: Asus integriert bei einigen Boards eine Serial-ATA-Buchse ins ATX-Anschlussfeld; beim Abit AW8-MAX und Asus A8N-SLI Premium ist die Northbridge nicht mit einem Lüfter gekühlt, sondern eine Heatpipe führt die Abwärme in die Nähe des Prozessors, wo der CPU-Lüfter sie aus dem Gehäuse pusten soll.

Viele Hersteller wollen sich mit Übertaktungs- oder Sicherheitsfunktionen von den Mitbewerbern absetzen. Gigabyte hat eine per Serial-ATA angebundene und per PCI mit Strom versorgte RAM-Disk im Angebot. Sie nimmt derzeit maximal 4 GByte Speicher auf und behält dank integriertem Akku etwa 14 Stunden nach Ausschalten des Rechners ihren Inhalt. Sie soll etwa 65 US-Dollar kosten, aber noch ist unklar, wo sie verkauft werden soll und ob einzeln oder nur zusammen mit einem Board.

Abseits dieser Trends waren auch andere neue Boards zu sehen. Der Pentium M findet auch im Desktop-PC wachsende Unterstützung, so zeigte AOpen das i915GMm-HFS mit integrierter Grafik und beeindruckender Anschlussvielfalt: Der Monitor bekommt sein Signal per VGA, DVI, D-Buchse (ein in Japan verbreiteter analoger TV-Anschluss mit HDTV-Unterstützung) und YPbPr-Buchse. Das ASRock 939Dual-M2 mit ULi M1695 hat nicht nur einen PEG- und einen AGP-Slot, sondern einen speziellen Steckplatz für eine Karte für AMDs zukünftige Prozessoren für den Sockel M2.

Zudem nutzen viele Hersteller den ATI Radeon X200 mit integrierter Grafik für AMD-Prozessoren, manchmal allerdings nicht mit ATIs Southbridge, sondern mit einer laut Hersteller weniger fehlerbehafteten von ULi. Andere integrierte Chipsätze für den Athlon hat ATI damit fast verdrängt: SiS- und VIA-Boards sind kaum zu finden, solche mit Nvidia-Chipsatz befinden sich noch im Prototypen-Stadium.

Vom Formfaktor BTX ist auf der Computex nicht viel zu sehen. Die Hersteller zeigen nur einzelne Boards, die praktisch ausschließlich für das OEM-Geschäft gedacht sind. Auch die Gehäusehersteller zeigen wenig Passendes. Offensichtlich sind die Hitzeprobleme -- eines der Hauptargumente für BTX -- inzwischen auch in ATX-Gehäusen wieder in den Griff zu bekommen.

Gleichermaßen findet das Thema TPM/TCG (außer bei Infineon) auf der Computex kaum statt. Nur wenige Hersteller wie Asus haben auf Anfrage für Systemintegratoren Boards mit TPM-Chip im Angebot. Einige wollen immerhin rechtzeitig zum Start von Microsofts Longhorn reagieren, denn der Windows-XP-Nachfolger wird wohl seine Sicherheitsfunktionen darauf aufbauen. (jow)