Ins technische Bein geschossen
Ein Internet-Provider arbeitet seit Monaten an seiner internen IT und kann deshalb Rechnungen nicht mehr in die Online-Postfächer seiner Kunden zustellen. Das hat interessante Folgen.
Seit vergangenem Juli muss ich mich Mitte jeden Monats immer ganz leicht wundern. Das hat folgenden Grund: Mein Internet-Provider, die Telekom-Tochter Congstar, stellt mir in diesem Zeitraum normalerweise immer meine Rechnung zu und zieht deren Betrag dann einige Tage später ein. Nur tut sie das eben seit mittlerweile drei Monaten nicht mehr.
Als braver Kunde ist man ja dann so freundlich, seinen Dienstleister anzumailen und zu fragen, wo denn bitte die Rechnung bleibt. Die erstaunliche Antwort: "Leider verzögert sich die Rechnungsstellung bis ca. Ende August. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Lösung des Problems." Und ich bin offensichtlich nicht der erste Nutzer, der diese Aussage erhalten hat. Laut anderer Kunden wurden sie bis zu fünf Mal auf ein neues Datum vertröstet - und auch jetzt, im September, bleiben alle weiter rechnungslos.
Des Rätsels Lösung: Offensichtlich hat man bei Congstar offenbar beim Umbau seiner internen IT inklusive Rechnungswebsite schwerwiegende Probleme verursacht. Wie man mittlerweile bei den Kollegen von Teltarif nachlesen kann, stellt sich das Dilemma wie folgt dar: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind schuld, die die Rechte und Pflichten von Firma und Kunden regeln sollen. In diesen AGB findet sich nämlich folgendes wichtige Sätzlein: "Congstar bucht den Rechnungsbetrag nicht vor dem 5. Werktag nach Zugang der Rechnung vom vereinbarten Konto ab. Die Rechnung gilt als zugegangen, wenn sie im Kundenaccount zur Verfügung steht."
Da nun aber aufgrund der technischen Probleme keine Möglichkeit besteht, Rechnungen "im Kundenaccount" abzulegen und das Unternehmen offensichtlich den Aufwand scheut, seine AGB aufgrund einer Wartungspanne zu ändern, kann es nicht einfach Rechnungen von Hand ausstellen und diese zum Beispiel per Post oder E-Mail versenden. Also lebt das Unternehmen seit drei Monaten wahrscheinlich von Luft, Liebe und (vermutlich) dem breiten finanziellen Rücken seiner Mutter Telekom. Deren Aktionäre wird das sicher freuen...
Mir und all meinen anderen Congstar-Kundenkollegen gibt das Unternehmen derweil weiter einen zinslosen Kredit, bis dann irgendwann mal die ganz dicke Rechnung kommt. Dass sich Kunden darĂĽber wieder beschweren werden beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit groĂź ist, bei manchen Menschen in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten dann auf Unterdeckung des Kontos zu treffen, versteht sich von selbst. Hach, Wartungsarbeiten sind schon toll. (bsc)