Ärger um das digitale Kabel-TV

Mit der Einspeisung privater Free-TV-Sender soll digitales Kabelfernsehen, kurz DVB-C, endlich den Massenmarkt erobern, doch die Kabelanbieter verärgern interessierte Kunden mit technischen Hürden und zusätzlichen Gebühren.

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Mit der Einspeisung privater Free-TV-Sender soll digitales Kabelfernsehen, kurz DVB-C, endlich den Massenmarkt erobern. Doch die Kabelanbieter verärgern interessierte Kunden mit technischen Hürden und zusätzlichen Gebühren, schreibt das Computermagazin c't in der aktuellen Ausgabe 5/06.

DVB-C verspricht ein besseres Bild als das terrestrische Digitalfernsehen DVB-T, verlustfreies Aufzeichnen auf Festplatte, eine vielfältige Programmauswahl und Dolby-Digital-Sound. Doch wenn es um den Empfang auch der privaten Free-TV-Kanäle wie RTL oder SAT.1 geht, beginnen für viele Kunden die Probleme. Um die grundverschlüsselten Programme kommerzieller Sender betrachten zu können, benötigt der Zuschauer eine Smartcard; günstige Settop-Boxen ohne Smartcard-Unterstützung scheiden damit aus. Doch nicht einmal jeder luxuriöse Festplattenreceiver mit Smartcard-Einschub eignet sich: Die Freischaltung per Smartcard gibt es derzeit nur für Nagravision-zertifizierte Empfänger, was in der Praxis auf Premiere-taugliche Geräte hinausläuft.

Für die Einrichtung kassieren die Kabelbetreiber eine gesonderte Gebühr. Ein Anbieter verlangt sogar eine monatliche Abgabe, wenn die Kunden privates Free-TV empfangen möchten. Dabei ist diese Grundverschlüsselung technisch unnötig und lästig, schreibt c't. Sinn ergibt sie erst, wenn die Kunden die Technik etwa für Pay-TV nutzen, denn bei DVB-T kann man dieselben Programme unverschlüsselt empfangen. Außer durch zusätzliche Kosten schmälert das verschlüsselte Fernsehen das Vergnügen durch langatmige Kanalwechsel. Zum Teil starten auch zeitgesteuerte Aufnahmen nicht mehr.

Wer die Free-TV-Kanäle via DVB-C auch am PC schauen möchte, muss noch weitere Hürden überwinden. Die Kosten dafür können insgesamt 200 bis 300 Euro betragen. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf DVB-C. Immerhin senden ARD und ZDF unverschlüsselt und in sehr hoher Qualität und bieten hier auch alle ihre Sonder- und Spartenkanäle. Zusätzlich werden gut 20 Radio-Sender bereits unverschlüsselt digital eingespeist. (se)