Wa(a)ge es nicht!
Manchmal kann Technologie auch zu weit gehen - dann nämlich, wenn sie zu geschwätzig ist.
Herr J. hat ein Ziel: Es lautet 78 Kilo und bis zu dessen Erreichung müssen noch genau 6,9 Kilo von seinen Rippen schmelzen. So viel lässt sich jedenfalls aus J.s Twitter-Feed entnehmen, über den der Brite vollautomatisch topaktuell den Rest der Welt über seinen aktuellen Gewichtszustand informiert, sobald er wieder einmal von seiner heimischen Waage gestiegen ist.
Die technische Errungenschaft, die Herr J. einsetzt, hört auf den Namen "WiFi Body Scale" und stammt von der französischen Firma Withings, die das ansprechende Gerät, das aussieht wie ein Gewichtsmesser aus dem Film "2001", für schlappe 129 Euro an jeden verkauft, der Twitter als Motivationsinstrument beim Diäthalten verwenden will.
Natürlich muss niemand sein Gewicht öffentlich publizieren, man kann es auch passwortgesichert auf einer speziellen Website hinterlassen - sogar zusammen mit den (vermutlich noch geheimeren) Daten der Ehefrau, die die WiFi Body Scale selbsttätig vom Herrn des Hauses unterscheiden kann. Dennoch haben erstaunlich wenig Menschen ein Problem damit, die über das heimische WLAN ans Netz anzuschließende Waage automatisiert twittern zu lassen. All diese Postings sind natürlicher auch über die Suche des Kurznachrichtendienstes zu finden. Immerhin: Den Fettanteil, den die Waage ebenfalls berechnet, behält das Gerät auf Wunsch für sich (beziehungsweise den Nutzer).
Die Withings-Waage ist nur ein Beispiel für eine zunehmende Anzahl von Objekten des täglichen Lebens, die sich dank Netzanschluss erstaunlich geschwätzig geben. Manche dienen sogar dem Lebenserhalt der Botanik. Wer als Pflanzenfreund regelmäßig das Gießen vergisst, sollte einen Blick auf das Kit von Botanicalls werfen. Die Beschreibung des mit 100 Dollar nicht gerade preiswerten Gerätes ist herzallerliebst: "Botanicalls Kits erlauben es Pflanzen, um menschliche Hilfe zu bitten! Sie bieten eine Verbindung zu ihrem blättrigen Freund mittels Twitter-Status-Updates aufs Handy."
Immer dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, ergeht ein Tweet. Bastelwillige können das Gerät zudem mit eigener Elektronik und/oder Software aufbohren - wie wäre es beispielsweise mit einer Schädlingserkennung? Der Sensor ist von Haus aus fit genug, um zwischen "Trocken", "Feucht" und "durchtränkt" zu unterscheiden. Damit Black PlantHat-Hacker nicht einbrechen und den Pflanzenstatus böswillig verändern, gibt's immerhin ein Passwort.
(bsc)