Funklöcher im Monopolnetz
Wann ist drahtloses Internet endlich überall und zum vernünftigen Preis zu haben? Der zweite Teil einer dreiteiligen Serie über technische Lebensumstände der Gegenwart, über die uns unsere Enkel auslachen werden.
Technik kann viel – wenn man sie lässt. Partikularinteressen, alteingesessene Rechtszustände und das pure Bestehen auf dem Status quo sind ihr größter Feind. Übrig bleiben Lebensumstände, die man in wenigen Jahren kaum mehr verstehen wird. In dieser, der vorherigen und der nächsten Woche will ich mir drei Beispiele für solche Hemmnisse vornehmen, die mich in letzter Zeit besonders ärgern.
"Ich hatte kein Netz." Dieser Satz nimmt mittlerweile im von Geschäftsreisen dominierten Arbeitsleben jene Stellung ein, die bei Schülern die Ausrede besitzt, der Hund habe die Hausaufgaben gefressen. Nur dass die Aussage über die fehlende Netzanbindung mittlerweile mindestens genauso häufig stimmen kann wie eben nicht.
Noch immer, obwohl wir uns im 20. Jahr nach der Erfindung des World Wide Web befinden, hat sich drahtloses Internet nicht flächendeckend durchgesetzt, obwohl es doch längst den Stellenwert einer Commodity haben müsste. Da gibt es in Deutschland nur vier verschiedene Besitzer der Netzinfrastruktur, deren Ausbaugrad höchst unterschiedlich ausfällt, ohne dass der Nutzer einfach den jeweils besten Anbieter automatisch verwenden könnte.
Die Mobilfunkkonzerne bestimmen die Preise, legen zufällig gewählte Gigabyte-Limits fest und bauen nur an manchen Stellen alternative Routen ins Internet auf – WLANs beispielsweise, dabei wäre das technisch kein großes Problem.
Fährt man mit dem Zug, hat das Netz mehr Löcher als ein guter Maasdamer. Daneben maßen sich die Betreiber an, bestimmte Services zu unterbinden und würden – mancher insgeheim, mancher offen – am allerliebsten die Netzneutralität abschaffen, weil es im Mobilen ja angeblich Konkurrenz gibt.
Ich (und vermutlich die meisten Menschen auf diesem Planeten) würden gerne in einer Welt leben, in der man überall und jederzeit ein ordentlich ausgebautes drahtloses Netz vorfindet, das schnell genug ist und nicht die Welt kostet – so wie es sich für eine Selbstverständlichkeit (Strom, Wasser, Licht...) gehört.
Ich will mir selbst aussuchen können, wenn ich offline sein will, nicht mit unnötigen technischen Hürden kämpfen und von Firmen drangsaliert werden, die auf den Trichter gekommen sind, dass ihr Geschäftsmodell nur noch ein paar Jahre hält. Kann das denn so schwer sein? (bsc)