Die ersten 22 Kilometer: Deutsche Bahn setzt Schienen aus "grĂĽnem" Stahl ein

Die Bahn schließt einen Liefervertrag mit dem saarländischen Hersteller Saarstahl für klimafreundlich produzierte Schienen. Es ist nur ein erster Schritt.

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GrĂĽnes Eisenbahnsignal

(Bild: N-sky/Shutterstock.com)

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  • dpa

Die Deutsche Bahn will erstmals in ihrem Schienennetz klimafreundlich erzeugten Stahl verbauen. Der Konzern hat in einem Pilotprojekt einen Liefervertrag fĂĽr rund 1.000 Tonnen Schienen aus "grĂĽnem" Stahl mit dem Hersteller Saarstahl abgeschlossen. Die erste Lieferung umfasse Schienen, die in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland verbaut werden, heiĂźt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Das Geschäft zwischen der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO und Saarstahl wird damit kurz vor dem "Stahlgipfel" am Donnerstag im Kanzleramt verkündet. Bei dem Treffen will die Bundesregierung mit Vertretern der Stahlindustrie und Ministerpräsidenten der Länder Lösungen für die kriselnde Branche erarbeiten.

Der "grüne" Stahl von Saarstahl Rail, einer Tochtergesellschaft des saarländischen Konzerns, wird im französischen Werk Saarstahl Ascoval hergestellt. Das Werk produziert Stahl nicht herkömmlich in Hochöfen unter dem Einsatz von Eisenerz und Kohle, sondern verwendet den Angaben zufolge eine spezielle Technologie, um aus Altschienen und Schrott neuen Stahl zu produzieren (Elektrolichtbogenofen).

Im Vergleich zu Schienen, die über traditionelle Hochöfen hergestellt werden, fielen damit bis zu 70 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen an. Wie viel Geld die Deutsche Bahn bei dem Liefervertrag bezahlt, wurde nicht bekannt.

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Mit der Kooperation setzten die beiden Unternehmen ein wichtiges Zeichen fĂĽr nachhaltige Lieferketten in der Bahnindustrie, hieĂź es. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen ersten Schritt. Die 1.000 Tonnen Stahl entsprechen rund 22 Schienenkilometern. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2024 rund 37,2 Millionen Tonnen Rohstahl produziert.

"Gemeinsam mit Saarstahl Rail zeigen wir in diesem Pilotprojekt, dass klimafreundliches Bauen und heimische Wertschöpfung Hand in Hand gehen können", sagte Philipp Nagl, Vorstandschef der DB InfraGO AG. Jonathan Weber, Vorstand für Saarstahl Rail, sprach von einem starken Signal für nachhaltiges Bauen. Erst im Januar hatte das Unternehmen mit der französischen Bahngesellschaft SNCF einen Milliardenvertrag über die Lieferung von Schienen aus CO₂-reduzierter Produktion unterzeichnet.

Die Reduzierung von CO₂ in der energieintensiven Stahlindustrie gilt als wichtiger Baustein für das Erreichen der Klimaziele. Für "grünen" Stahl fallen aber höhere Kosten als bei herkömmlichem Stahl an. Erst im Juni hatte der Konzern ArcelorMittal mangels Wirtschaftlichkeit Pläne zurückgezogen, seine Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt auf klimaneutrale Produktion umzustellen. Der Schritt hatte eine Debatte über die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie in Deutschland ausgelöst.

Die Branche leidet unter der Krise in Abnehmerbranchen, vor allem der Autoindustrie. Hinzu kommen gestiegene Energiepreise, Billigimporte gerade aus China und hohe Zölle auf Stahlimporte in die USA.

(mho)