Metas Chefwissenschaftler geht: LeCun gründet ein Start-up

Yann LeCun gründet ein Start-up für Advanced Machine Intelligence. Meta verliert einen der anerkanntesten KI-Experten der Welt.

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Zuckerberg und LeCun (rechts)

Zuckerberg und LeCun (rechts)

(Bild: Threads LeCun)

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Nach Gerüchten bestätigt er es nun selbst: Yann LeCun verlässt Meta zum Ende des Jahres, um ein Start-up zu gründen. Der Turing-Preisträger ist einer der anerkanntesten KI-Experten. Mit ihm verliert Meta Wissen und Ansehen.

LeCun will ein Start-up aufbauen, das eine Advanced Machine Intelligence (AMI) entwickelt. Das schreibt er bei Threads. Daran hat LeCun auch bei Meta gearbeitet. Es sei die nächste Stufe der KI-Revolution. Eine AMI soll die physikalische Welt verstehen können, ein persistentes Gedächtnis haben und wirklich begründen können, sowie komplexe Abfolgen von Handlungen planen. Ob weitere Wissenschaftler aus seinem Team mit ihm gehen werden, ist zunächst unklar. LeCun war bisher Chief Scientist im Pariser FAIR-Team von Meta – FAIR steht für Fundamental AI Research. Wie der Name schon sagt, ging es hier immer eher um Grundlagenforschung, nicht um anwendbare KI-Produkte, die Meta im Silicon Valley entwickelt. In Paris wird beispielsweise daran gearbeitet, aus Gehirnaktivitäten ganze Sätze zu erkennen. Außerdem läuft ein Roboterhund durch die Büros und lernt, etwa beim Aufräumen zu helfen. Aber auch die Programmierbibliothek PyTorch und die ersten Versionen von Llama wurden von dem Team entwickelt.

Bei Threads schreibt LeCun, dass er Mark Zuckerberg und weiteren Meta-Leitern extrem dankbar sei, dass sie FAIR unterstützt haben und damit in den vergangenen Jahren auch die Entwicklung einer AMI. Meta wird daher auch ein Partner des neuen Start-ups sein. "Meiner Vorstellung nach wird AMI weitreichende Anwendungsmöglichkeiten in vielen Wirtschaftsbereichen haben, von denen einige mit den kommerziellen Interessen von Meta übereinstimmen, viele jedoch nicht." Daher sei es wichtig, das Ziel in einer unabhängigen Einrichtung weiterzuverfolgen. Weitere Details über das Start-up sollen folgen.

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LeCuns klare Worte über das KI-Wettrennen im Silicon Valley und eine seiner Meinung nach falsche Erwartung, was generative KI leisten kann, haben auch zu seinem Ansehen beigetragen. Meta stand es gut, ihn Chefwissenschaftler nennen zu können.

Auch zuvor hat LeCun bereits nebenbei an der New York University gelehrt. Die Stelle scheint unberührt von den Plänen zu bleiben. Neben dem Turing-Preis, der wohl höchsten Auszeichnung aus dem Bereich Informatik, hat LeCun kürzlich auch den Queen Elizabeth Prize for Engineering bekommen – eine britische Auszeichnung für Ingenieursleistungen.

Bereits vor einigen Monaten hatte auch Joëlle Pineau das FAIR-Team verlassen. Sie war Vice-President des KI-Forschungsbereichs bei Meta und Gründungsmitglied des Meta FAIR-Teams.

(emw)