Was wirklich wahr war: Die Auflösung des Winterrätsels
Den Start des elektronischen Personalausweises hat Hal Faber im seiner letzten Wochenschau spontan zum Anlass für ein kleines Winterrätsel genommen, dessen Beantwortung er nicht schuldig bleibt.
Der Start des elektronischen Personalausweises rückt immer näher. Während Gutachter Lob und Tadel aussprechen, läuft die Werbung für den Ausweis langsam an. In der letzten Wochenschau wurde darum ein kleines Winterrätsel über "Gute Ideen aus Deutschland" eingeschoben: Des Rätsels Gegenstand war die Timeline, die auf der letzten Seite dieser Broschüre (PDF-Datei) des Bundes-CIO gefunden werden kann.
Um es kurz zu machen: An der Timeline stimmt nichts. Selbst wenn man die asiatische Xylographie ausklammert und das koreanische Sandgußverfahren ebenso beiseite lässt, wie die Frage, was damals Deutschland war, ist 1440 als Beginn des Buchdruckes mit beweglichen Lettern falsch. Die frühesten Versuche von Gutenberg werden um 1450 datiert. Als dieser in Mainz den zentralen Informationsspeicher des christlichen Glaubens, die Bibel auflegte, schrieb man das Jahr 1455.
Im zweiten Schritt der Timeline folgt der Fernseher den Manfred von Ardenne Weihnachten 1930 präsentierte, eine von vielen Stufen in der Entwicklungsgeschichte des Fernsehens. Begonnen hatte es viel früher mit der Nipkow-Scheibe, während die ersten Fernsehsendungen etwas später starteten. Dass 1941 der Computer in Form eines schicken Macs eine Idee aus Deutschland war, geht auf Zuses Z3 zurück und unterschlägt, dass Zuse selbst die nie in Angriff genommene Rechenmaschine von 1938 als ersten Computer deklarierte. Nicht verschweigen wollen wir hier den waschechten Steampunk aus dem Jahre 1837, der jetzt gebaut werden soll.
Auch beim Faxgerät blicken wir auf die Insel, wo der Schotte Alexander Bain 1843 das Prinzip erfand, oder nach nach Frankreich, wo der Faxdienst der Pantélégraphes bereits im Jahre 1865 seinen Dienst aufnahm. Der deutsche Erfinder Rudolf Hell, ein Pionier der Bildtelegrafie hatte es immer abgelehnt, als Vater des Faxes bezeichnet zu werden. Der Kartenchip, von Helmut Göttrup und Jürgen Dethloff wurde zwar 1969 zum Patent angemeldet, hatte aber mit dem Identifikationsschalter aus dem Jahre 1966 einen Vorläufer und einen französischen Konkurrenten: Gute Ideen tauchen an vielen Stellen auf.
Ob die wie Mona Lisa leicht lächelnde Erika Mustermann die Krönung dieser Timeline darstellt, darf auch bezweifelt werden: elektronische Personalausweise gibt es bereits in anderen Ländern wie etwa Estland. Außerdem liegen Hinweise auf eine schwere Identifikationsstörung vor, weil in den Demonstrationsvideos zum elektronischen Personalausweis eine Laura Mustermann, geborene Gabler auftritt. "Dass zwei Zwillingsschwestern ausgerechnet zwei Herren gleichen Nachnamens ehelichen, überrascht den analytischen Betrachter," heißt es in einer vergnüglichen Kritik (PDF-Datei) am neuen Ausweis. Sie geht immerhin nicht soweit, wie der wenig faktensichere Verriss des FoeBuD, der den Ausweis allen Ernstes mit der Titanic vergleicht. (vbr)