Schachmatch Mensch-Maschine: Keine Chance für Adams

Zur Halbzeit im Londoner Mensch-Maschine-Match zwischen dem Weltranglistensiebten Michael Adams und dem Schachcomputer Hydra erreichte der Großmeister nur ein mageres Remis aus drei Partien.

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Von
  • Lars Bremer

Zur Halbzeit im Londoner Mensch-Maschine-Match zwischen dem Weltranglistensiebten Michael Adams und dem Schachcomputer Hydra erreichte der Großmeister nur ein mageres Remis aus drei Partien.

In der ersten Partie wählte Adams mit Schwarz die supersolide Russische Verteidigung, die als sehr remisträchtig gilt und ihre Popularität unter anderem Weltklassespielern wie Kramnik und Karpow verdankt. Hydra wich nach 13 Zügen von der gängigen Eröffnungstheorie ab, und neun Züge später beging Adams den entscheidenden Fehler, er verlor einen wichtigen Bauern und mit ihm die Partie. Durchaus normal, wie Hydras Autor Dr. Chrilly Donninger gegenüber heise online erklärte: "Mehr als zehn Züge schaffen die Großmeister nicht, ohne einen Fehler zu begehen. Hier waren es neun Züge!"

In der zweiten Partie spielte der Großmeister lange auf Königsangriff, ohne Hydras Verteidigung aber durchbrechen zu können. In blockierter Stellung einigen sich die Gegner auf ein Unentschieden. Die dritte Partie war ein reines Gemetzel. "Wir hatten nach dem ersten Zug praktisch schon gewonnen. Adams war angeschlagen, spielte sehr passiv und ist zusammengebrochen", meinte Donninger zur nur 28 Züge dauernden Hinrichtung des Weltklasse-Spielers. Er hält den Zwischenstand für normal: "Das ist keine Überraschung, Hydra hat 3000 Elo, Adams hat 2730. Meine Prognose vor dem Match war ein 4:2 für Hydra, aber jetzt kann Adams froh sein, wenn er überhaupt noch ein Remis schafft."

Das FPGA-Programm Hydra spielt im Unterschied zur PC-Konkurrenz mit einer sehr kleinen, vom deutschen Großmeister Christopher Lutz erstellten Eröffnungsbibliothek, die im Mittel nur die ersten zehn Züge abdeckt; so konnte Hydra in der ersten Partie bis zum 13. Zug, in der zweiten bis zum 8. und in der dritten Partie bis zum 12. Zug aus der Bibliothek spielen. Herkömmliche Bibliotheken werden aus großen Datenbanken kompiliert, die viele zwischen Großmeistern gespielte Partien enthalten. Donninger meint, sein Programm sei ohnehin stärker als diese Spieler, es könne also auch in der Eröffnung bessere Züge finden. Bislang gibt ihm der Erfolg recht.

Bedient wird Hydra in London vom Netzwerk- und Parallelisierungs-Spezialisten des Teams, Dr. Ulf Lorenz. Er hat dafür gesorgt, dass die 32 Prozessoren nicht allzu oft dasselbe berechnen. Die einzelnen Rechner des Hydra-Clusters kommunizieren über schnelle Myrinet-Karten, die mit Glasfaserkabeln verbunden sind. Für die Parellelisierung kommt es vor allem auf eine kurze Latenzzeit an, damit die einzelnen Prozesse beim Berechnen von Schachstellungen nicht aufeinander warten müssen und immer topaktuelle Daten aus anderen Prozessen parat haben.

Die letzten drei Partien des Matches finden am 25., 26. und 27. Juni statt, jeweils um 16 Uhr. Schach.de überträgt die Spiele live; Windows-Benutzer können einen kostenlosen Client herunterladen. (Lars Bremer) / (jk)