Kein gemeinsamer DVD-Nachfolger?
Die Einigungsgespräche zwischen Sony und Toshiba zu einem gemeinsamen DVD-Nachfolgeformat scheinen nun endgültig gescheitert.
Einige Verwirrung kann das Hü und Hott bei den Versuchen auslösen, ein einheitliches Nachfolgeformat für die DVD zu vereinbaren: Laut dem Branchenblatt Nikkei Electronics hat der Präsident von Sonys Computer Entertainment-Sparte, Ken Kutaragi, verkündet, es werde keinen gemeinsamen Nachfolge-Standard geben. Sony als Verfechter der Blu-ray-Disc und Toshiba als Anführer des HD-DVD-Lagers hätten die Gespräche endgültig abgebrochen. Kurz zuvor hatte es noch geheißen, Personalwechsel in den Führungsetagen bei Matsushita (Panasonic), Sony und Toshiba könnten zu einer Neuaufnahme der Verhandlungen über ein gemeinsames High-Definition-Disc-Format führen.
Der Verlauf der Gespräche deutete schon an, dass eine Einigung schwierig werden würde. So müsste einer der Rivalen auf sein bevorzugtes Format verzichten. Physikalisch sind die Formate inkompatibel. Daher müsste ein physisches Format adaptiert und darauf die Datenstruktur des anderen Formats untergebracht werden. Hier wäre Sony im Vorteil, die höhere Kapazität der Blu-ray-Disk mit ihrem komplexen Datenformat hätte eine Verheiratung des Blu-ray-Layers mit der einfacheren Datenstruktur der HD-DVD nahegelegt.
Sony hatte im April den Anfang gemacht und einen gemeinsamen Nachfolger vorgeschlagen. Dies nicht nur deshalb, weil erste HD-DVD-Titel in den USA im vierten Quartal dieses Jahres ausgeliefert werden sollen, sondern auch, weil die Spezifikation für die HD-DVD schon fertig ist. Der Blu-ray-Spezifikation fehlen der Medienindustrie außerdem noch wichtige Details wie zum Beispiel der Kopierschutzmechanismus.
Leidtragender dieser Entwicklung ist wieder einmal der Verbraucher. Wie schon Anfang der 80er-Jahre mit Betamax, VHS und Video 2000 verschiedene Systeme um die Gunst der Konsumenten buhlten, muss dieser nun zwischen zwei Systemen wählen oder sich gar zwei Geräte anschaffen. Nunmehr scheint beim DVD-Nachfolger nur noch die Frage offen, ob sich auch dieses Mal das technisch unterlegene Format endgültig am Markt durchsetzt. (Dirk Knop) / (jk)