Kopf an Kopf
Alles drin, alles dran und dazu Leistung satt: Das versprechen All-in-One-PCs mit Intels neuesten Prozessoren, flotten Grafikchips sowie groĂźen, teils sogar 3D-tauglichen Displays.
Was steht mitten auf Ihrem Schreibtisch und ist dennoch kaum zu sehen? Richtig: Die Technik eines All-in-One-PC, denn sie versteckt sich zumeist hinter dem Display. Die Kombination aus Computer und Bildschirm in einem Gehäuse spart nicht bloß Platz, sondern reduziert auch den Kabelsalat, sieht – je nach Geschick der Designer – elegant aus und erleichtert bei Bedarf den Transport. Früher galten All-in-Ones als faule Kompromisse aus Notebook und Desktop-PC: lahme Technik plus mäßiges Display minus Akku, garniert mit gesalzenen Preisen – nur für Liebhaber eine Delikatesse. Selbst Apples iMac führte ein Nischendasein bei Designern und Grafikern.
Mittlerweile ist das Angebot enorm gewachsen und mancher Hersteller zeigt für den PC-Markt ungewöhnlich viel Kreativität: Mit Extras wie Multitouch-Display, 3D-Brille und Blu-ray-Laufwerk versuchen sie, sich gegenseitig zu übertrumpfen.
An Performance mangelt es nicht; Quad-Core-Prozessoren und kräftige 3D-Grafik passen auch hinters Display. Clevere Ingenieure schaffen es auch, größere Mengen an Abwärme flüsterleise zu entsorgen. Blu-ray-Disc-Laufwerke ermöglichen HD-Video-Genuss auf den großen, zum Teil sehr hochwertigen Bildschirmen. Die Full-HD-Auflösung gibt es ab 21,5 Zoll Diagonale, der Mode folgend im 16:9-Format.
Anfassen schwer gemacht
Bis auf den iMac sind die getesteten All-in-One-PCs mit Multitouch-Displays ausgestattet, die zwei Fingereingaben parallel detektieren können. Acer und Packard Bell verwenden resistive Sensoren, die einen gewissen Druck auf das Display erfordern. Die übrigen Hersteller arbeiten optisch. Aber auch hier erfordern die unvermeidlichen Fingerabdrücke auf dem Display eine regelmäßige Reinigung mit den oft beigelegten Microfasertüchern.
Seit dem letzten Vergleichstest von All-in-One-PCs vor anderthalb Jahren ist nur wenig für die Fingerbedienung optimierte Software hinzugekommen. Windows 7 bietet wie Vista zwar die Stiftbedienung und Multitouch-Gesten. Multitouch-taugliche Anwendungen sind aber immer noch Mangelware. Auf den Rechnern fanden sich neben dem Touch Pack von Microsoft mit einigen Demo-Programmen lediglich Malprogramme für Kinder. Für technische Zeichnungen oder die kleinen Schaltflächen und Menüs üblicher Windows-Programme sind die verwendeten Touchscreens nicht präzise genug. Für den Durchbruch der Fingerbedienung von Desktop-PCs fehlen von Grund auf dafür entwickelte Betriebssysteme und Anwendungen wie beispielsweise beim iPad oder Smartphones.
Eine Besonderheit bietet das Display des MSI Wind Top AE2420 3D: Es stellt dank 120-Hertz-Technik auch stereoskopische Inhalte dar, die nötige Shutterbrille liegt dem 1300-Euro-Paket bei. Damit wären wir bei der Vorstellung der Kandidaten angelangt: Die bekanntesten All-in-One-Vertreter sind Apples iMacs, hier vertreten durch das preisgünstigste 21,5-Zoll-Modell mit Core-i3-CPU für 1200 Euro. Doch die Core-i-Technik hat ihren Preis: Auch Asus Eee Top ET2400INT, Sony Vaio VPC-J11M1E und Lenovo ThinkCentre M90z kosten 950 Euro und mehr. Bei letzterem handelt es sich um einen der ersten speziell für Firmenkunden entwickelten All-in-One-PC mit Fernwartungstechnik und abschaltbaren USB-Buchsen. Billiger sind der Asus Eee Top ET2010PNT mit Intels Nettop-Prozessor Atom und Nvidias Ion-Grafikchip sowie die beiden Rechner mit AMD-Prozessor von Acer und Packard Bell. Bis auf den iMac sind die Rechner mit einem Multitouch-Display ausgestattet und lassen sich per Finger bedienen. Aus Gründen der Stabilität lassen sich die All-in-One-PCs weder in der Höhe verstellen noch seitlich schwenken.
Geräte mit mittlerweile veralteter Core-2-Technik haben wir nicht mehr zum Test eingeladen, viele davon hatten wir bereits im vergangenen Jahr vorgestellt [1] . Einige sind, teilweise in leicht aufpolierter Form, noch immer erhältlich – eine weitere Eigenheit der All-in-One-Bauform: Die für die PC-Hersteller in der Entwicklung aufwendigeren Geräte sind deutlich länger auf dem Markt als die meisten Desktop-PCs für Privatleute.
Unter der Haube
Core-i-Prozessoren arbeiten im Leerlauf besonders sparsam und glänzen selbst unter Volllast mit mäßigem Appetit, was den Aufwand für (leise) Kühlung und Stromversorgung begrenzt. Bei unbelasteter CPU schlucken die bei All-in-Ones eingebauten Displays teils mehr Leistung als CPU, Chipsatz, RAM und Festplatte zusammen.
Dafür ist dank sparsamer Prozessoren nicht einmal mehr Mobiltechnik erforderlich. Die positiven Folgen für die Kunden überwiegen: Man bekommt mehr Performance fürs Geld, trotzdem ist leise Kühlung zumindest theoretisch möglich. So bleibt der iMac auch unter Volllast flüsterleise. Negativbeispiele liefern Acer und die Tochterfirma Packard Bell: Unter Volllast nerven der Acer Aspire Z3101 und oneTwo L A7500 mit über 3 Sone Krach. Wie bei Notebooks muss man mit dem Lärm leben, Tuning-Möglichkeiten wie zum Beispiel Lüftertausch gibt es nicht.
Bei den Festplatten wäre Notebook-Technik sogar von Nachteil: Die kleineren Laufwerke liefern durchweg niedrigere Datentransferraten und längere Zugriffszeiten als solche im 3,5-Zoll-Format. Letztere gibt es seit einiger Zeit in recht flotten, aber trotzdem leisen und sparsamen „Eco“- oder „Green“-Versionen; in manchen All-in-One-PC passen sogar gleich zwei davon. Apple geht einen Sonderweg und erlaubt die Kombination von (2,5-Zoll-)SSD und herkömmlicher Harddisk, aber derzeit ausschließlich beim iMac mit 27-Zoll-Schirm – und zu stattlichen Preisen [2] .
Hartgesottene 3D-Gamer sollten All-in-One-PCs nach wie vor meiden, doch für Gelegenheitsspieler gibt es Offerten: Beispielsweise steckt im MSI Wind Top AE2420 3D eine Mobility Radeon HD 5730 – das reicht immerhin für Anno 1404 bei voller Schirmauflösung mit etwas reduzierten Effekten. Die „HD Graphics“ von Intels aktuellen Dual-Core-Prozessoren oder Nvidias Ion-Chip reichen zwar für HD-Videowiedergabe und die Aero-Oberfläche von Windows aus, taugen aber bestenfalls für einfache Spiele oder Google Earth.
Nachträgliches Aufrüsten bleibt trotz Desktop-PC-Technik die Ausnahme. An die PC-Innereien der All-in-One-PCs von Acer, Apple, Packard Bell und des Eee Top ET2010PNT von Asus gelangt man nur durch rohes Aufhebeln mit einem Spachtel. Asus Eee Top ET2400INT, Sony Vaio VPC-J11M1E und MSI Wind Top AE2420 3D erlauben immerhin, die Speichermodule im SO-DIMM-Format auszutauschen. Zugriff auf Festplatte oder optisches Laufwerk gestattet lediglich der Lenovo ThinkCentre M90z. An Prozessor oder Grafikkarte gelangt man aber auch hier nicht.
Extern bieten die schlanken Rechner mindestens vier Anschlüsse für USB-2.0-Geräte. Die flottere USB-3.0-Schnittstelle hat noch nicht den Weg in die All-in-One-PCs gefunden. Bei Packard Bell und MSI lässt sich die Festplattenkapazität per eSATA erweitern. Digitale Videokameras mit DV-Ausgang finden am iMac über FireWire 800 und am Vaio VPC-J11M1E über FireWire 400 Anschluss.
Blendwerk
Beim Kauf eines All-in-One-PC kommt es neben der Ausstattung und Performance insbesondere auf die Qualität des eingebauten Displays an. Rechner mit matter Bildschirmoberfläche gehören leider zu den Exoten und sind nicht im Test vertreten. Subjektiv erscheint das Schwarz bei glänzenden Displays zwar satter, dafür stören Reflexionen von hellen Lichtquellen wie Fenstern oder Lampen. Das kann zu Kopfschmerzen führen, weil der Fokus der Augen ständig zwischen den Reflexionen und dem Bildinhalt wechselt.
Bis auf den billigen Asus EeeTop ET2010PNT steckt in allen All-in-One-PCs ein Full-HD-Display mit 21,5 bis 23,6 Zoll Diagonale und 1920 x 1080 Pixeln Auflösung. Dies freut Filmliebhaber, stört aber zum Beispiel beim Lesen von Texten. In der Vertikalen bieten die Displays Programmfenstern kaum mehr Platz als betagte 17"- und 19"-TFT-Monitore mit 1280 x 1024 Pixeln.
iMac und MSI WindTop AE2420 3D nutzen Leuchtdioden statt der bislang gebräuchlichen Leuchtstoffröhren zur Hintergrundbeleuchtung. Vorteile der LED-Technik sind eine geringerer Leistungsaufnahme und eine gleichmäßigere Ausleuchtung. Auch beim Panel-Typ hebt sich der iMac mit seinem IPS-Panel positiv ab. Er zeigt satte Farben und die höchste Blickwinkelstabilität, sodass einem auch mehrere Leute über die Schulter schauen können.
Die Qualität der TN-Panels der übrigen Rechner ist breit gestreut. So erreicht das Display des Asus EeeTop ET2010PNT eine maximale Leuchtdichte von 110 cd/m2 – nur knapp oberhalb der für Büroräume empfohlenen 100 cd/m2. Schon bei geringer Änderung des Blickwinkels verlieren die Farben ihre Sättigung. Das Display des Lenovo Thinkcentre M90z ließ sich nur mit Einschränkungen vermessen, weil es über eine nicht mehr zeitgemäße, analoge Schnittstelle mit schlechter Signalqualität angebunden ist. Die Displays der übrigen Rechner bieten eine für TN-Panels gute Bildqualität.
Externe Monitore lassen sich nur von wenigen All-in-One-PCs digital ansteuern. Stattdessen bauen die Hersteller meist einen veralteten, analogen VGA-Ausgang ein. Einige Rechner können mit ihrem HDMI-Eingang als Monitor für Notebook, Spielekonsole oder Blu-ray-Player dienen. Die ausführlichen Angaben zu den Anschlüssen der einzelnen Geräte stehen in der Tabelle.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 23/2010. (chh)