Buchkritik: Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Wenn KI beim Texten hilft, liefert sie oft allzu gefällige, reizlose Formulierungen. PR-Experte Daniel Caroppo zeigt, was dagegen hilft.
- Dorothee Wiegand
Daniel Caroppos Domäne ist die Kommunikation im Dienste von Public Relations und Marketing.
Er kennt sich mit den Gepflogenheiten professioneller Texter aus und vermittelt als Hochschullehrer Studierenden die Feinheiten dieser Art von Ansprache. Erfahrungen aus Agenturpraxis und akademischer Lehre sind gleichermaßen in sein Buch eingeflossen. Einerseits zählen Geschwindigkeit, Likes, Unangreifbarkeit. Andererseits perlen derart optimierte Texte bei Rezipienten oft ab.
Fast schon penetrant wiederholt der Autor seine Kritik an glatten, weichgespülten Texten. Für deren Schwächen findet er immer wieder neue Formulierungen. Negative Beispiele beschreibt er dann als „Fehlerfrei. Freundlich. Und deshalb gefährlich.“ Zu seinen Merksätzen gehört: „Ein Text, der nicht wehtun darf, hilft oft auch nicht weiter.“ Ein paar Seiten später heißt es über KI: „Manchmal trifft sie den Ton. Aber nicht den Moment.“
Stakkatosätze dieser Art kommen sehr häufig vor. Auf Leser des Buches kann dieser Stil ermüdend wirken.
Der plakative Titel legt nahe, der Autor sehe den alleinigen Grund für Texte ohne Ecken und Kanten darin, dass Texter zu viel generative KI einsetzen. Der Zusammenhang ist aber komplexer, wie er im Buch erläutert: Die KI hat ihr Handwerk zu einem guten Teil anhand von einer Unzahl weichgespülter PR-Texte gelernt. Diese Tendenz verstärkt sie konsequent. Caroppos Gegenmittel sind nicht etwa Spezialprompts oder andere technische Tricks: Er empfiehlt vielmehr menschliche Selbstreflexion.
Angesichts des sachlichen Themas ist sein Buch sehr persönlich geraten. Beim Verfassen hat er selbst stilistisch das beherzigt, was er seinen Lesern rät.
Herausgekommen ist ein lebendiger Text – der aber mitunter so sperrig ist, dass sich der Inhalt erst nach mehrmaligem Lesen erschließt. Das macht die Lektüre bisweilen mühsam, zumal nur ganz selten kleinere Grafiken den Text auflockern.
Die Mühe lohnt sich aber, nicht nur für Texter in Unternehmenskommunikation und Marketing. Gerade Vielschreiber, die erst frisch auf die Autobahn des KI-gestützten Textens aufgefahren sind, profitieren von Caroppos Ratschlägen und seiner Ermutigung, Texte mit Ecken und Kanten zu verfassen.
Daniel Caroppo
Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren
- Haufe, Freiburg 2025
- ISBN 978-3648195741
- 244 Seiten, 30 €
- (PDF-/Epub-/Kindle-E-Book: gleicher Preis)
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(psz)