Native Instruments insolvent: Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen

Nach der Insolvenz des Musikspezialisten Native Instruments hat der CEO zur aktuellen Lage Stellung bezogen. Der Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen.

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Maschine von Native Instruments

(Bild: heise medien)

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Rund eine Woche ist es nun her, dass das als Anbieter von Musiksoft- und -hardware weltweit renommierte Berliner Unternehmen Native Instruments (NI) beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat. NI-CEO Nick Williams erklärte mittlerweile im firmeneigenen Blog, der Geschäftsbetrieb des Unternehmens mit seinen Marken Native Instruments, iZotope, Brainworks und Plugin Alliance laufe wie gewohnt weiter. Entsprechend seien Hardware- und Softwareprodukte weiterhin erhältlich beziehungsweise könnten heruntergeladen sowie aktiviert werden. Man arbeite auch daran, neue Produkte und Funktionen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Williams äußerte sich auch zum Stand des Native Kontrol Standard (NKS), über den Hardware wie NIs Komplete-Kontrol-Keyboards und Software-Instrumente beziehungsweise -Effekte verschiedener Hersteller miteinander sprechen. Demnach bearbeite das zuständige Team weiterhin NKS-Partneranträge und stelle Lizenzen für den Kontakt Player bereit.

Der Electro-House-Produzent und DJ Deadmau5 kommentierte die Native-Instruments-Insolvenz auf Threads mit der Ăśberlegung, ob er vielleicht den DJing-Bereich Traktor kaufen sollte

„Wir arbeiten fleißig und verantwortungsbewusst daran, Native Instruments eine gesunde und finanziell nachhaltige Zukunft zu sichern“, versicherte der CEO. Plugin-Alliance-Manager Mo Volans teilte auf Facebook derweil mit, dass sein Unternehmensteil mit Betriebsstätten in Langenfeld (Rheinland) und in den USA nicht von der Native-Instruments-Insolvenz betroffen sei.

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Nach einer schwierigen Phase, in der es Entlassungen und eine Umstrukturierung gab, hatte Native Instruments im „Corona-Jahr“ 2020 erstmals in seiner Firmengeschichte mehr als 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Gegenüber dem Handelsblatt äußerte Constantin Köhncke, der kurz zuvor die Führung des Berliner Unternehmens von Daniel Haver übernommen hatte, damals die Vermutung, dass viele Menschen die Zeit genutzt hätten, um zu Hause Musik zu produzieren.

Einen ähnlichen Effekt erlebten auch Firmen aus anderen Branchen, darunter etwa Videostreaminganbieter und der Fitnessgerätehersteller Peloton. Nach dem Pandemie-Hype kämpften jedoch viele dieser Firmen mit massiven Umsatzrückgängen, die zu Stellenabbau und teilweise extremen Kursverlusten führten.

Der Gründer von Brainworx und Plugin Alliance, Dirk Ulrich, dessen Firmen von Native Instruments aufgekauft worden waren und der 2024 seinerseits den NI-Beirat verlassen hatte, äußerte sich am Rande der gerade in Anaheim (Kalifornien) zu Ende gegangenen Musikmesse NAMM in einem Interview mit dem Kanal Produce Like A Pro, wie es seinerzeit zum Weggang kam: „Weil diese superklugen Banker dachten, sie bräuchten niemanden im Unternehmen, der sich mit Audio auskennt, sagten sie mir: ‚Wir wollen das selbst machen.’“ 2021 übernahm dann die Private-Equity-Firma Francisco Partners die Mehrheitsbeteiligung an Native Instruments. (nij)