Neura Robotics: Sanitärräume als Testfeld für lernende Infrastruktur
Ein schwäbisches Robotikunternehmen und eine Bauconsultingfirma entwickeln Gebäude, die Roboter von Beginn an einplanen, unter anderem um Personal zu sparen.
Immobilien sollen künftig so konzipiert und mit Sensoren ausgestattet sein, dass Roboter dort ihren Platz finden.
(Bild: Neura Robotics)
Der deutsche Roboterhersteller Neura Robotics und das Stuttgarter Bauberatungsunternehmen Drees & Sommer arbeiten zusammen, um Gebäude künftig robotertauglich zu entwickeln. Die Immobilien der Zukunft sollen demnach Technik nicht mehr nur beherbergen, sondern so konzipiert sein, dass kognitive Roboter dort von Anfang an ihren Platz finden.
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Architektur im Einklang mit moderner Technik
Die Gebäude-IT erfasst bei diesem Ansatz über Sensoren Daten zu Licht, Bewegung, Temperatur oder Geräuschen. Roboter greifen darauf zu und passen ihr Verhalten an. Einen ersten Schwerpunkt legen Neura Robotics und Drees & Sommer auf Sanitäreinrichtungen. Dort treffen hohe Besucherzahlen, Hygieneanforderungen und Personalmangel aufeinander. Roboter sollen mithilfe der Gebäudedaten künftig Verschmutzungen besser erkennen und bedarfsgerecht reinigen sowie Verbrauchsmaterial nachfüllen und technische Probleme melden können.
Das Beratungsunternehmen für Bau, Immobilien, Infrastruktur und Industrieprojekte Drees & Sommer entwickelt Konzepte für Sensorik, IT- und Betriebsnetze sowie digitale Zwillinge von Gebäuden. Diese Modelle bilden den Zustand eines Bauwerks digital ab.
Neura Robotics baut „kognitive Roboter“, die nicht nur feste Abläufe ausführen, sondern ihre Umgebung visuell, auditiv und taktil erfassen. Die Maschinen treffen eigenständig Entscheidungen und lernen aus ihren Einsätzen. Das Unternehmen entwickelt wesentliche Komponenten selbst, darunter Steuerung, Sensorik, KI-Funktionen und die Softwareplattform Neuraverse.
Roboter gegen den demografischen Wandel
David Reger, Gründer und Geschäftsführer von Neura Robotics, will seine Roboter dort im Einsatz sehen, wo Fachkräfte fehlen oder Routineaufgaben Zeit binden, etwa bei Reinigung, Wartung und einfacher Instandhaltung. Drees & Sommer erwartet seinerseits aus der Partnerschaft sinkende Betriebskosten für Betreiber von Gebäuden.
Beide Unternehmen reagieren damit auf Herausforderungen im Bau- und Immobiliensektor. Der demografische Wandel verschärft den Personalmangel; gleichzeitig steigen die Erwartungen an Hygiene, Komfort und Effizienz. Über Sanitärräume hinaus planen die Partner bereits weitere Anwendungsfelder.
(akr)