Buchkritik: Trister Regenbogenritt durchs Universum

In „Die Farben des Universums“ betrachtet Florian Freistetter das All durch eine farbenfrohe Brille. Die Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig.

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Aufmacher Die Farben des Universums
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Die Idee ist charmant: Farben als roter Faden fĂĽr ein Buch ĂĽber Astronomie. Florian Freistetter, promovierter Astronom und Wissenschaftsautor, will unter diesem Leitgedanken Pep in das vermeintlich blasse Universum bringen.

Leider enttäuscht das Buch schon beim ersten Durchblättern: Es enthält kein einziges Bild. Statt prächtiger Sternennebel, rostroter Marslandschaften oder sattgrüner Pflanzenfasern bietet es 256 Seiten schwarz-weiße Textwüste. Lediglich das Cover zieren 24 farbenfrohe Exoplaneten. Doch selbst diese entpuppen sich als künstlerische Darstellung fiktiver Himmelskörper – und sind damit gerade kein Beispiel für die Farbenfreude in unserem realen Universum.

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Inhaltlich bietet das Buch einen Querschnitt durch Astronomie und Astrophysik. Der Leser erfährt etwas über Spektren und schwarze Körper, warum die Marsoberfläche rot, der Rohstoff Gold goldfarben oder das Universum beige ist. Der Farbfokus scheint an vielen Stellen jedoch eher hinderlich. So stellt Freistetter physikalische Erklärungen oder Zusammenhänge an einigen Stellen voran oder liefert sie später nach, damit sie ins Farbraster passen, obwohl sie rein fachlich woanders besser aufgehoben wären. Fachliche Erklärungen bleiben insgesamt recht abstrakt und sind ohne Hintergrundwissen oder Skizzen nur schwer verständlich.

Auch stilistisch knarzt es mehrfach. Über lange Passagen ähnelt der Text einem ungeordneten Gedankenstrom. Das zweite Kapitel zur Farbe Gelb beginnt mit einer Erläuterung, dass alles ja eine Fortsetzung bräuchte, von der Bibel über Star Wars bis zu Faust und ja, Überraschung, auch dieses Buch endet nicht nach dem ersten Kapitel. Das hätte der Leser wohl auch ohne diesen Hinweis verstanden und ohne derartige Einwürfe wäre das Buch prägnanter.

Nervig ist auch die latente Eigenwerbung Freistetters. Er schreibt etwa, dass die Geschichte der Raumsonde Rosetta ein eigenes Buch wert ist, das er – siehe Werbeblock in der Fußnote – übrigens selbst geschrieben hat. Solche Bemerkungen lassen den Leser zweifeln, warum man denn nun gerade dieses Büchlein lesen sollte, statt eines der augenscheinlich ausführlicheren.

Das Buch ist somit nichts Halbes und nichts Ganzes. Es streift zwar viele Bereiche der Astronomie, vermittelt darin aber nicht mehr Erkenntnisse als zahlreiche andere Weltraumbücher. Beim Fokusthema Farben verschenkt es Potenzial und bleibt arg an der Oberfläche. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass eine fixe Idee einfach nicht so recht funktionieren wollte.

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Buchcover Die Farben des Universums

Florian Freistetter

Die Farben des Universums

  • Hanser, MĂĽnchen 2026
  • ISBN 978-3446283084
  • 256 Seiten, 24 €
  • PDF-/Epub-/Kindle-E-Book: 18 €

(spa)