Vor 100 Jahren: Der erste Linienflug der „Luft Hansa AG“ hebt ab

100 Jahre ist es her, seit der erste Flug der heutigen Lufthansa in Berlin gestartet ist. Nun steht das Unternehmen von neuen Herausforderungen.

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(Bild: Sorbis/Shutterstock.com)

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  • Till Menzel
  • mit Material der dpa
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Vor genau 100 Jahren, am 6. April 1926, hob der erste Linienflug der damaligen „Luft Hansa AG“ ab. Von Berlin-Tegel nach Zürich flog die Maschine – mit Zwischenlandungen in Halle (Saale), Erfurt und Stuttgart.

100 Jahre später feiert die größte deutsche Fluggesellschaft ihr Flug-Jubiläum. Am heutigen Ostermontag soll es zunächst einige Feierlichkeiten in ihrem Geburtsort Berlin geben, am 15. April dann im großen Stil in Frankfurt (Main). Nach Informationen der dpa wird dabei auch Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet.

Zudem will die Lufthansa ihr Besucherzentrum, den „Hangar One“ in Frankfurt eröffnen. Dort soll es eine Ausstellung über die Vergangenheit des Unternehmens geben. Auch zwei Flugzeuge der Typen Junkers Ju 52 „aus den Pionierjahren der ersten Lufthansa“ und Lockheed Super Star als „Symbol für den Neubeginn“ sollen Besucherinnen und Besuchern präsentiert werden.

Die Geschichte des Unternehmens ist zweigeteilt und hat auch dunkle Seiten. Im Januar 1926 aus einer Verschmelzung mehrerer Fluglinien entstanden, fand nach knapp drei Monaten der erste Linienflug der damals noch getrennt geschriebenen Luft Hansa AG mit einer Maschine des Typs Fokker-Grulich statt.

Im selben Jahr erschloss das Unternehmen mit zwei Junkers G 24-Maschinen den Luftraum von Berlin bis nach Peking – eine knapp 20.000 Kilometer lange Strecke. Über die folgenden Jahre wurde die Flotte um viele Maschinen ergänzt, etwa um die Junkers Ju 52 („Tante Ju“) oder Flugboote des Typs Dornier Wal. Mit Flugzeugen dieser Baureihe hatte der norwegische Entdecker Roald Amundsen 1925 versucht, den Nordpol zu überfliegen.

Unter der NS-Herrschaft folgte eine dunkle Zeit für Deutschland, von der das 1933 in „Deutsche Lufthansa Aktiengesellschaft“ umbenannte Unternehmen deutlich profitierte. Zwar war der Linienverkehr nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 stark beschränkt, doch das Unternehmen stellte sich in den Dienst des Regimes. Bis 1945 war Lufthansa für die Rüstungsproduktion und Flugzeugwartung der Luftwaffe zuständig – unter massiver Zuhilfenahme von Zwangsarbeit.

Im Zuge des 100-jährigen Bestehens von Lufthansa im Januar dieses Jahres hat sich die Firma erstmals komplett zur eigenen Geschichte bekannt, berichtet die dpa. Eine Untersuchung der eigenen NS-Vergangenheit gab Lufthansa bereits 2001 zum 75-jährigen Jubiläum in Auftrag.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es im geteilten Deutschland vorerst verboten, Flugzeuge herzustellen, zu besitzen und zu betreiben. Erst 1954 nahm die Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (Luftag) den Namen Lufthansa an und sicherte sich die Rechte am ikonischen Kranich-Logo. Personell veränderte sich die Führung des Unternehmens kaum.

1955 startete der erste Lufthansa-Flug nach dem Krieg und ab 1960 hat sich das Unternehmen zahlreiche Maschinen von Boeing gesichert. Heutzutage setzt Lufthansa besonders auf Passagierjets von Airbus, aber auch vereinzelt auf Boeing-Modelle. 1987 saß mit Michele Jett die erste Frau im Cockpit eines Lufthansa-Fluges.

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Die Corona-Pandemie von 2020 und die erste Ölkrise von 1973 verkraftete das Unternehmen laut eigenen Angaben gut. Anlegerinnen und Anleger sowie der eigene Aufsichtsrat sehen Lufthansa jedoch eher als kapitalschwach an.

Der Krieg im Iran trübt das Jubiläum des ersten Lufthansa-Fluges. Mit den Preisen für Öl und Gas steigt auch der für Kerosin stark an. Erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission in diesem Zuge dazu aufgerufen, weniger zu fliegen.

Für Lufthansa bedeutet das weniger zahlende Kundinnen und Kunden. Laut Informationen des Handelsblatts könnte das Unternehmen vorerst sogar bis zu 40 Flugzeuge komplett am Boden lassen. Zudem müssten die Ticketpreise erhöht werden. Ein Stellenabbau sei aktuell aber noch nicht im Gespräch.

(mho)