Bill Gates spricht in Buzzwords - und erklärt sie
Auf der Kundenkonferenz von Microsoft Business Solutions mit dem modischen Namen Convergence 2006 erklärte der Redmonder Chief Software Architect Bill Gates recht plastisch, wie sich Microsoft die Zukunft für seine Firmensoftware vorstellt.
Auf der Kundenkonferenz von Microsoft Business Solutions mit dem modischen Namen Convergence 2006 erklärte der Redmonder Chief Software Architect Bill Gates recht plastisch, wie sich Microsoft die Zukunft für seine Firmensoftware vorstellt.
Mit dem Konferenznamen geht es schon los: Mit Hilfe von Webservices wolle man Geschäftssysteme – etwa für die Buchhaltung oder die Personalverwaltung – mit Produktivitätswerkzeugen wie zum Beispiel Office-Programmen und der Online-Welt zusammenführen. Die Worthülse "Konvergenz" füllt sich mit Inhalt, wenn man etwa durch die jüngst veröffentlichten Snap-Tools einen in Outlook eingetragenen Urlaubswunsch im selben Atemzug auch in die Personalverwaltung einspeisen kann oder wenn eine Auftragsänderung direkt in den Datenbestand beteiligter Fertigungspartner durchgeschleust wird. Wie sich die beschriebene Konvergenz in künftigen Versionen etwa der Firmensoftware Microsoft Dynamics zeigen soll, erläuterte Gates mit vier "Designelementen".
Rollenbasierte Benutzersteuerung ist für Portallösungen à la SAP ein alter Hut, nicht aber für klassische Anwendungspakete wie zur Buchhaltung in einem Unternehmen. Künftig soll auch Dynamics AX, das altbekannte Navision Axapta, unter einer einheitlichen Oberfläche individuelle Funktionssortimente etwa für Buchhalter, Vertriebsmitarbeiter, den Marketingleiter oder den Geschäftsführer bereitstellen.
Serviceorientierte Architektur baut auf zentrale Server, die ihre jeweiligen Funktionen als universell abrufbare Dienstleistungen per Webservice zur Verfügung stellen. Demnach kann ein Anwender je nach Bedarf abwechselnd Dienste der Finanzverwaltung, der Personalverwaltung oder des Archivsystems in Anspruch nehmen, ohne zwischen verschiedenen Client-Umgebungen umschalten zu müssen. Auch dieser Trend entspricht voll und ganz den Beobachtungen von der diesjährigen CeBIT: Nicht nur das dort vorgestellte Sage-CRM-Paket, sondern auch Dokumentenmanagement-Lösungen etwa von Dr. Doc oder Aspoa konzentrieren sich zunehmend auf eine gemeinsame Oberfläche für alle anfallenden Routineaufgaben ihrer Benutzer.
Unternehmensweite Zusammenarbeit (Collaboration) soll insbesondere von den Windows Sharepoint Services profitieren: Mit deren Hilfe sollen Kollegen, aber auch Zulieferer und andere Geschäftspartner jederzeit Zugriff auf aktuell benötigte Dokumente erhalten, ohne dass diese erst per E-Mail versendet und später individuell aufgefrischt werden müssten. Das Konzept beschränkt sich nicht auf die Zugriffskontrolle wie bei einem Version Control System, sondern soll auch komplexe Arbeitsabläufe koordinieren können, indem es etwa Detailinformationen nach vorbestimmten Regeln in virtuelle Laufzettel überträgt und der Reihe nach bei verschiedenen Mitarbeitern in die Aufgabenliste einreiht.
Das Reizwort "Business Intelligence" steckt offenbar hinter der Formulierung "Nutzung relevanter Informationen" und umreißt, wie etwa die Reportfähigkeiten des (natürlich hauseigenen) SQL-Servers maßgebliche Informationen als Bringdienst zu den Entscheidungsträgern übermitteln. Die Möglichkeit, vertiefte Informationen per Smart Tags an einzelne Wörter oder Tabellenfelder in Office-Dokumenten zu knüpfen, propagiert Microsoft seit Office XP – mit der Nutzung von Office-Programmen als Buchhaltungs-Frontend wachsen die Programme für spezifische Verwaltungsaufgaben, allgemeine Büroarbeiten und Wissensverwaltung ein Stück weit weiter zusammen. (hps)