Ist die Telekom noch zu retten?
Neue Technologien, erstarkende Konkurrenten und das politische Umfeld machen der Deutschen Telekom das Leben so schwer wie nie zuvor. Sie wehrt sich mit alten Methoden.
- Sascha Mattke
- Dr. Wolfgang Stieler
Zehn Jahre nach der offiziellen Liberalisierung kommt die Deutsche Telekom zunehmend unter echten Wettbewerbsdruck. Dieser entsteht durch neue Techniken wie Wimax oder Voice-over-IP, aber auch durch Anbieter aus der Kabel-TV-Branche, die nach langer Restrukturierung wieder FuĂź fassen. Dazu gesellt sich eine wachsende Bedrohung aus dem politischen Raum, berichtet Technology Review in seiner neuen Ausgabe.
Im vergangenen Jahr verlor die Deutsche Telekom bereits 1,5 Millionen Telefonanschlüsse, der Gesamtumsatz im Inland sank trotz Millionen neuer DSL-Anschlüsse. Die Kunden wandern ab zu alternativen Netzbetreibern, Mobilfunkanbietern und zunehmend auch zu Kabel-TV-Firmen, die ihre Netze internetfähig gemacht haben. Deren Verband erwartet bis Ende dieses Jahres mindestens eine Million Internetkunden – eine Verdreifachung gegenüber 2005.
Der Telekom macht dabei zu schaffen, dass sich mit VoIP die Dienstleistung – das Verbinden von Gesprächsteilnehmern also – vom Netz trennen lässt; wer ohne Telekom zu einem schnellen Internetzugang kommt, braucht sie also auch zum Telefonieren nicht mehr. Als Anbindung sind auch schneller Mobilfunk über UMTS sowie WLAN, Wimax oder noch kommende Funktechniken denkbar. Frequenzen dafür dürften noch in diesem Jahr vergeben werden.
Zudem könnten schnellere Internetzugänge zum Politikum werden: "Breitband wird immer weniger als Markt angesehen, denn als Mittel der gesellschaftlichen Entwicklung", sagt James Enck, Analyst bei Daiwa Securities. Er verweist auf Initiativen wie in Amsterdam oder London, wo Bürger unter Regierungsbeteiligung Glasfaseranschlüsse ins Haus gelegt werden. Auch in Deutschland laufen auf kommunaler Ebene bereits mindestens zwei derartige Projekte.
Große Hoffnungen setzt die Telekom vor diesem Hintergrund in ihr eigenes schnelleres DSL-Netz. Ihre Forderung, es von der Regulierung auszunehmen, wird aber auch von neutralen Beobachtern als unangemessen angesehen: Das Ansinnen wirke wie ein "Rückschritt in Denkstrukturen, die eigentlich schon überwunden schienen", sagt Karl-Heinz Neumann, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste.
Mehr über die Bedrohung für die Deutsche Telekom und ihre Bemühungen um eine Gegenstrategie lesen Sie in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe von Technology Review. Sie ist ab dem 30. März im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder portokostenfrei online erhältlich. (Sascha Mattke) / (wst)