Kognitiver Flaschenhals

Wir Menschen unterscheiden uns ĂĽberhaupt nicht von Computern - die grundlegenden Funktionsprinzipien sind gleich. Zumindest wenn man den Arbeitsforschern glauben mag.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Erinnert sich noch jemand an Kraftwerk? Diese vier Jungs, die da in ihren roten Hemden mit schmalen schwarzen Schlipsen auf der Bühne standen und „Wir sind die Roboter“ sangen? An die musste ich denken, als ich in eine neue Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hereingelesen habe, in der es um „Arbeitsunterbrechung und Multitasking“ geht.

Ich würde nicht soweit gehen wie Frank Schirrmacher, der Multitasking in seinem Buch „Payback“ als „Körperverletzung“ bezeichnet hat. Aber ich denke, man kann schon sagen, dass die selbst verursachte Arbeitsunterbrechung – auch bekannt unter der Bezeichnung Prokrastination – und das durch Chaos und Verpeilen erzwungene Multitasking zu den echten Geißeln des Informationsarbeiters gehören. Also habe ich mich natürlich sofort, nachdem ich die Mail bekommen hatte, an die Lektüre des Werkes gemacht.

Und ich kann nur sagen, die Arbeitsunterbrechung hat sich gelohnt. Denn A. Baethge und T. Rigotti bestätigen, was ich in meinem tiefsten Herzen schon immer geahnt habe: Wir Menschen unterscheiden uns überhaupt nicht von Computern – die grundlegenden Funktionsprinzipien sind gleich. Die bekannte Verzögerung, die eintritt, wenn man versucht, zwei Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, kann nämlich unter anderem damit erklärt werden, „dass die zentrale Steuerungseinheit [des Gedächtnisses] noch mit der Bearbeitung der ersten Aufgabe beschäftigt war und die zweite Aufgabe so in eine Warteschleife geriet.“

„Threaded cognition“ nennt sich diese Theorie – „Laut BADDELEY, THOMSON und BUCHANAN (1975) lässt sich das Arbeitsgedächtnis in einzelne Speichereinheiten und die zentrale Exekutive unterteilen. Letztere regelt die Bearbeitung der gespeicherten Informationen. MAROIS und IVANOFF (2005) lokalisierten in ihrer neurologischen Untersuchung den PRP-Effekt im fronto-parietalen Bereich des Gehirns, genau der Bereich, der auch für das Arbeitsgedächtnis vermutet wird (D‟ESPOSITO et al., 1995).“

Cool, was? Natürlich lässt sich auf der Basis dieser Theorie leicht ein Modell programmieren, das am Computer simulierbar ist. Aber über weite Strecken liest sich das Bändchen eh, als ob es nicht um Menschen, sondern um Probleme bei der Parallelprogrammierung ginge. Nur eine Frage beantworten die Autoren leider nicht: Wo man zusätzlichen Speicher, mehr Bandbreite und einen schnelleren Prozessor für den Kopf hernimmt. (wst)