Die Politik der kleinen energetischen Schritte

"Grüne" IT ist bekanntlich total trendy: Hardware-Hersteller brüsten sich mit Stromspar-Rekorden und bauen immer schadstoffärmere Geräte. Doch manchmal gehen sie auch zu weit.

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Neulich habe ich mir einen neuen Internet-Router gekauft. Das Teil hat quasi alles, was macht sich vorstellen kann: Megaschnelles WLAN, Unterstützung der neuesten DSL-Technologie, Anbindung von Multimedia-Servern, drahtlose Festnetztelefone, zwei oder drei Anrufbeantworter und was weiß ich noch alles. Eine der Funktionen, die auf der Verpackung besonders beworben werden, ist außerdem die Sparsamkeit: Wenn das Gerät ganz oder teilweise nicht gebraucht wird, schaltet es sich in verschiedenen Stufen ab.

Solche "grĂĽne" IT ist durchaus sinnvoll und lobenswert und wird von Herstellern natĂĽrlich gerne hervorgehoben. In der Praxis, sprich: den Standardeinstellungen, kann so etwas allerdings auch nach hinten losgehen. Das merkte ich, als ich meinen Router mehr als 30 Minuten betrieb. Ich wunderte mich nicht schlecht: Die Datenrate war von eben auf jetzt um rund 50 Prozent zurĂĽckgegangen, bei einem garantiert problemlos erreichbaren Server.

Ich schaute also in die Einstellungen. Und siehe da, der Energiesparmodus war aktiviert. Da dort natürlich nicht stand, was selbiger tut, ergoogelte ich mir meine Antwort: Und ja, hat man den grünen Schalter betätigt, was standardmäßig der Fall ist, wird die Datenrate der Netzwerkanschlüsse deutlich reduziert und erreicht niemals die angegebene Höchstgeschwindigkeit.

Eigentlich hätte das gar nicht passieren dürfen, denn auch beim niedrigen Wert ist gewaltig Luft. Doch mein Router bot tatsächlich nur mit (angeblich) stromfressender Volle-Energie-Einstellung auch die schnellste Geschwindigkeit.

Jeder Mensch weiß mittlerweile, dass sich sparsame Motoren lohnen. Oder sparsame Großbildfernseher. Aber mein Router ist schon von sich aus ein kleines Teil mit einer dank moderner Technik standardmäßig geringen Leistungsaufnahme. Zwar läuft das Gerät während der Bürozeiten ständig (und wird danach brav abgedreht), doch lässt sich schwer nachvollziehen, dass das (natürlich durchaus vorhandene) Sparpotenzial die Halbierung der Datenrate rechtfertigen würde. Das Werbeargument, einen "grünen" Router zu verkaufen, mag ja verfangen. Aber in der täglichen Nutzung ist es absolut inakzeptabel, wenn darunter die beworbene Leistung leidet. Denn: Ist Energiemanagement nicht smart, drehen es die Leute einfach ab. (bsc)