Fünfte Auflage des Eclipse Summit Europe
Bei der fünften Auflage des Eclipse Summit Europe konnten sich die Teilnehmer ein Bild über den Status quo der Eclipse-Techniken machen. Spannende Entwicklungen finden sich weniger in der Plattform selbst als bei Themen wie Modeling, Runtime und Versionskontrolle.
- Alexander Neumann
Die fünfte Auflage des Eclipse Summit Europe bot den Teilnehmern die Möglichkeit, sich ein Bild über den Status quo der Eclipse-Techniken zu machen. Spannende Entwicklungen finden sich weniger in der Plattform selbst als bei Themen wie Modeling, Runtime und Versionskontrolle.
Seit einigen Jahren schon versammelt sich die Eclipse-Community zweimal im Jahr – entweder auf der großen EclipseCon im Frühjahr in den Vereinigten Staaten oder im Herbst in Deutschland auf dem etwas kleineren Eclipse Summit Europe, die beide die Eclipse Foundation ausrichtet. Beide Veranstaltungen haben zum Ziel, den wichtigsten Eclipse-Projekten eine Plattform zu bieten, der Gemeinschaft die jüngsten Entwicklungen vorzustellen und die Weichen für ihre Zukunft zu stellen.
(Bild: Anne Jacko (Eclipse Foundation))
Das Anfang November in Ludwigsburg veranstaltete Eclipse Summit Europe zeigte, dass Eclipse als Programmierplattform und als Community neun Jahre nach der Entstehung weiterhin eine Erfolgsgeschichte ist. Das ist zum einen an den über 450 Teilnehmern der zum fünften Mal ausgerichteten Veranstaltung auszumachen, was einen Rekord für die Veranstaltung bedeutete. Zum anderen dürfte sich der Ausrichter der dadurch gar nicht mehr so "kleinen EclipseCon" gefreut haben, dass, als danach gefragt wurde, deutlich über 50 Prozent der Besucher die Veranstaltung zum ersten Mal besuchten. Das ist ein deutliches Signal an alle, die der Eclipse-Plattform in letzter Zeit die Attraktivität abgesprochen hatten.
Die Eclipse-Community ist vielmehr zu einer äußerst offenen Gruppierung geworden, die, nachdem IBM erkennbar die Unterstützung heruntergefahren hat, zahlreiche Projekte mit De-facto-Standard-Charakter betreut oder mit neuen versucht, auf Anforderungen der Entwicklerzunft zu reagieren. Es steht jedoch mittlerweile weniger die IDE selbst im Fokus der Beobachtung, mehr Aufmerksamkeit erhalten etwa Xtext, ein Werkzeug zur Erstellung textueller, domänenspezifischer Sprachen, oder die Einbindung von verteilten Versionskontrollsystemen (Egit, Gerrit, MercurialEclipse) oder von Build-Werkzeugen (Buckminster, B3). Das zeigt sich auch ín der Anzahl der Vorträge zu Modeling- und Runtime-Themen, die die der "klassischen" Eclipse-Themen deutlich übertraf. Besonders im Bereich Modeling ist Eclipse "state of the art" – und das ist mittlerweile nicht mehr nur auf Europa oder gar Frankreich und Deutschland begrenzt.
An dem geänderten Interesse an Eclipse hat auch das im Sommer freigegebene Eclipse 4.0 SDK Early Adopter Release nichts geändert. Es ist zu erwarten, dass es noch länger dauert, bis die Eclipse-4.0-Entwicklungsschiene die von Eclipse 3.x ablösen wird. – wenn überhaupt, so mancher besonders kritisch Gesinnte zieht schon Vergleiche mit Windows Vista.
Ein Signal könnte zumindest sein, dass die an Eclipse 4 Beteiligten versprechen, dass das nächste Release im Sommer des nächsten Jahres nicht mehr allein den "Early Adopter" ansprechen, sondern allgemein für den Endnutzer aufbereitet sein soll. Beim Vergleich der Vorträge des letzten Jahres zum Thema mit den aktuellen drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass im Verhältnis zu früher viel zu wenig Entwickler an dem Projekt beteiligt sein könnten, zumal viele von ihnen auch in die Weiterentwicklung der jährlichen Sammelreleases involviert sind. Vielleicht mag sich der eine oder andere dadurch zur Mitarbeit angesprochen fühlen, dass hinter der IDE-Entwicklung nicht mehr allein IBM steht. Mehr noch: Das Projekt war auf der EclipseCon zum "offensten Eclipse-Projekt" gewählt worden.
Keynotes im Sinn ihrer Bedeutung
Erfreulich war die Entscheidung des Programmkomitees, drei Sprecher für die Keynotevorträge einzuladen, die diese Gattung ernst nahmen und wirkliche Visionen für die Teilnehmer bieten wollten, statt – wie auf vielen anderen Konferenzen zu beobachten – "nur" tief in eine Technik einzutauchen oder gar Marketing zu betreiben.
Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern verglich in seinem Vortrag "Code and Relief" die Unterschiede katholischer und protestantischer Kirchen mit denen von Mac- und Windows-Communitys. Speck ging es darum, welche Art von System mehr Möglichkeiten zur Entwicklung von Innovationen biete. Leider dauerte es durch die allzu ausschweifend geratene historische Einleitung zu lange, bis er zum zentralen Plädoyer für Open Source und zum Gegenwartsbezug kam.
(Bild: Anne Jacko (Eclipse Foundation))
Ebenfalls um das richtige Umfeld für Innovationen ging es Jeff Norris, einem leitenden Angestellten der Planning Software Systems Group bei der NASA. Die Erwartungen an ihn waren äußerst hoch, hatte er nach Meinung vieler einen herausragenden Keynotevortrag auf der EclipseCon im März gehalten – sie wurden erfüllt. Norris ist ein ausgezeichneter Redner, der das Auditorium mit seinem Vortrag "Mission Critical Agility" fesselte. Als herausragende Beispiele für innovative Persönlichkeiten und schöpferische Ausgangssituationen skizzierte er zum einen die Geschichte der Erfindung des Telefons durch Alexander Graham Bell und zum anderen die Vorbereitungen für die erste Mondlandung eines Menschen durch Neil Armstrong.
In erstem Fall lässt sich das Herausbilden einer Vision als Schlüsselfaktor für die Erfindung feststellen, bei der Mondlandung stellte Norris die Bereitschaft der Forscher heraus, große Risiken auf sich zu nehmen, um John F. Kennedys Forderung nachzukommen, innerhalb einer Dekade auf dem Mond zu landen. Einen dritten Schlüsselfaktor sieht Norris in der Agilität. Die drückt sich für ihn darin aus, sich so lange wie möglich unentschlossen zu zeigen und sich mehrere Optionen offen zu halten. Nur so seien Menschen, in der Lage, sich weiterzuentwickeln, da sie dadurch bereit seien für neue Erfahrungen und neues Wissen. Sich frühzeitig festzulegen bedeutet für Norris, keine Kurskorrekturen mehr vornehmen zu können. Er forderte die versammelte Eclipse-Community dazu auf, immer wieder aus dem Status quo auszubrechen und neue Dinge auszuprobieren. Das möge für den Anfang schwierig sein, werde zum Schluss aber von Erfolg gekrönt.
(Bild: Anne Jacko (Eclipse Foundation))
Die dritte Keynote – "The Industialization of the Service Sector" – hielt Günter Dueck, der sich neuerdings Chief Technology Officer von IBM Deutschland nennen darf. Er zeichnete auf amüsante Weise ein teilweise düsteres Zukunftsbild davon, wie die IT sämtliche Bereiche des Lebens verändern wird. "Düster" deswegen, weil die Techniken zahlreiche Berufsgruppen eliminieren oder zumindest die Anzahl der in sie involvierten Protagonisten auf ein Minimum reduzieren werden.
Ohne Zweifel ist IBM im Rahmen seiner "Smarter Planet"-Initiative gut prädestiniert auf die zu erwartenden oder teilweise auch schon zu findenden Neuerungen. Für die Entwickler in Ludwigsburg prognostizierte Dueck, dass sich ihre Profession entweder in einen Routine- oder einen Premium-Part aufsplitten werde. Die Routinearbeiten würden allerdings in Richtung Cloud wandern und dadurch schließlich verschwinden, die exzellenten Techniker blieben hingegen. Duecks Rat an das Auditorium war deswegen, Premium-Dienste herauszuarbeiten und sich bei diesen zu engagieren.
Fazit
Neben den erfrischend vorgetragenen Keynotes hatten die Teilnehmer gute Gelegenheit, tief in die aktuellen Entwicklungen einzutauchen. Daran änderte auch das Format der vielen kurzen, 25- bis 30-minütigen Vorträge nichts, denn – wie für solche Community-Veranstaltungen üblich – fiel es einfach, sich mit den Entwicklern direkt auszutauschen, sei es im Anschluss eines Vortrags, in den Pausen oder am Abend beim Bier und – zum ersten Mal beim Summit – bei Livemusik. Dadurch dürfte ein Großteil der Konferenzbesucher zum einen wertvolle Anregungen für die tägliche Arbeit erhalten haben, zum anderen aber vor allem eine Einschätzung darüber, was er für seine künftigen Entwicklungen an Möglichkeiten im Eclipse-Umfeld findet.
Spannend bleibt zu beobachten, ob es der Eclipse Foundation gelingt, mehr Anhänger für zentrale Themen wie Eclipse 4, aber auch die als strategisch bezeichneten Eclipse-Runtime-Projekte und die für das Application Lifecycle Management (ALM) zu finden. Insbesondere bei der Plattform selbst scheint sie mehr Unterstützung aus der Community zu benötigen. Die gelungene Organisation und Präsentation des Eclipse Summit Europe mag hierbei schon einiges bewirkt haben. (ane)