Verkauf von ProSiebenSat.1 geht in die entscheidende Phase

Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse an einer Übernahme der TV-Sendergruppe bekundet. Die bisherigen Mehrheitseigner rechnen mit einem Erlös von rund 5 Milliarden Euro – doppelt so viel wie beim gescheiterten Verkauf an die Axel Springer AG.

vorlesen Druckansicht 74 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 soll noch in diesem Jahr den Besitzer wechseln. Branchenkreisen zufolge gibt es mehrere Interessenten für einen Kauf der Gruppe, die im ersten Halbjahr 2006 bei Umsätzen in Höhe von 551 Millionen Euro einen Gewinn von 83,4 Millionen Euro erwirtschaftete. Laut der Tageszeitung Welt wollen unter anderem der Finanzinvestor Apax Partners gemeinsam mit der US-Investmentbank Goldman Sachs sowie die Private-Equity-Unternehmen Permira und Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) für ProSiebenSat.1 bieten.

Derzeit befindet sich ProSiebenSat.1 mehrheitlich im Besitz der Beteiligungsgruppe German Media Partners (GMP) mit Sitz auf den British Virgin Islands. GMP wiederum wird von dem israelisch-amerikanischen Milliardärsehepaar Cheryl und Haim Saban kontrolliert, das 24,9 Prozent der GMP-Anteile hält. Die restlichen GMP-Anteile verteilen sich vorrangig auf Private-Equity-Gesellschaften aus den USA. Schätzungen zufolge investierte GMP seit 2003 insgesamt rund 800 Millionen Euro in ProSiebenSat.1. Haim Saban ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG.

Der Verkauf der Sendergruppe, von dem sich die bisherigen Besitzer einen Erlös von rund fünf Milliarden Euro versprechen, soll in Form einer Auktion ablaufen. Die ersten Gebote werden laut Welt bereits in diesen Tagen abgegeben. Sollten KKR und Permira den Zuschlag bekommen, dürfte eine enge Zusammenarbeit mit der SBS Broadcasting Group (Scandinavian Broadcasting System) bevorstehen. Permira und KKR hatten im August 2005 für 2,1 Milliarden Euro die Mehrheit an dem Luxemburger Medienunternehmen übernommen, das zahlreiche TV- und Radiosender in mehreren europäischen Ländern betreibt.

GMP wollte ProSiebenSat.1 zunächst für knapp 2,5 Milliarden Euro an die Berliner Axel Springer AG veräußern, die bereits 12 Prozent an ProSiebenSat.1 hält. Anfang des Jahres hatten sich jedoch sowohl die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) als auch das Bundeskartellamt gegen eine Fusion ausgesprochen. Ein Zusammenschluss der Konzerne würde auf dem Fernsehwerbemarkt, auf dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen und auf dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen zu einer nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähigen Marktmacht führen, begründeten die Kartellwächter ihre Entscheidung. Auf die Beantragung einer Ministererlaubnis, die die Untersagung durch die Kartellbehörde möglicherweise hätte aufheben können, verzichtete Springer. (pmz)