Electronic Arts legt in den USA und in Europa zu
Der Spiele-Publisher konnte dank "Madden NFL" und "FIFA" die Umsätze in den USA und Europa deutlich steigern, in Japan brachen die Geschäfte aufgrund mangelnder Unterstützung der Nintendo DS hingegen ein. Das PC-Spiel "Crysis" soll verschoben werden.
Der Video- und Computerspiele-Publisher Electronic Arts hat die Ergebnisse des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2007 bekannt gegeben, das am 30. September 2006 endete. Demnach konnte der Netto-Umsatz in den USA gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf ein neues Rekordniveau von 512 Millionen US-Dollar gesteigert werden. In Europa konnte man die Netto-Umsätze gar um 28 Prozent auf 245 Millionen US-Dollar steigern. Der Gewinn fiel derweil mit 22 Millionen US-Dollar recht mager aus, vor einem Jahr waren es noch 51 Millionen US-Dollar gewesen. EA begründete den Rückgang mit der Ausgabe von Aktien-Optionen an Mitarbeiter, gestiegenen Entwicklungskosten für die Next-Gen-Konsolen und einem massiven Aufkauf von Aktien des französischen Publishers Ubisoft, an dem Electronic Arts nun einen Anteil von rund 20 Prozent hält.
Die guten Umsätze verdankt EA vor allem dem American-Football-Spiel "Madden NFL 07", von dem innerhalb von fünf Wochen 5 Millionen Exemplare verkauft werden konnten. Sehr erfreulich sei auch der Verkaufsstart von "FIFA 07" verlaufen, von dem in der ersten Verkaufswoche zwei Millionen Exemplare abgesetzt wurden.
Federn lassen musste der Konzern hingegen in Asien. Dort brach der Umsatz um 34 Prozent auf 27 Millionen US-Dollar ein. Die regionalen Unterschiede lassen sich vor allem mit dem Spiele-Portfolio des Branchen-Primus erklären. So generiert EA nur noch 35 Prozent seiner Umsätze mit Spielen für die Playstation 2 (vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent). An zweiter Stelle liegen bereits Spiele für die Xbox 360, die einen Anteil von 21 Prozent am Gesamtergebnis haben. In Japan konnte Microsofts neue Konsole allerdings noch keinen Fuß fassen. PC-Spiele machen derzeit nur noch 11 Prozent von EAs Umsatz aus, vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent.
Regelrecht verschlafen haben die Manager von Electronic Arts den Boom um die Nintendo DS – die mobile Spielkonsole bricht nicht nur in Japan derzeit alle Verkaufsrekorde. Mit lediglich zwei Spielen (FIFA und Madden) für Nintendos erfolgreiche Plattform konnte Electronic Arts gerade einmal zwei Prozent seiner Umsätze erzielen. Besser unterstützt wird Sonys Playstation Portable, deren Spiele immerhin 64 Millionen US-Dollar (entspricht 8 Prozent) umsetzen konnten. Geradezu explosionsartig zugenommen hat hingegen der Umsatz mit Handy-Spielen. Waren es vor einem Jahr noch zwei Millionen US-Dollar, so konnten im vergangenen Quartal stattliche 35 Millionen US-Dollar mit den Mini-Spielchen umgesetzt werden (entspricht 4 Prozent vom Gesamtergebnis). Die Produktion von mobilen Spielen soll derweil in Niedriglohnländer wie Rumänien und Indien ausgelagert werden.
Für das kommende Weihnachtsgeschäft erwartet EA Netto-Umsätze zwischen 1,2 und 1,3 Millarden US-Dollar, was in etwa dem Ergebnis des Vorjahres entsprechen würde. Acht Titel kämen für die neuen Konsolen von Sony (Playstation 3), Microsoft (Xbox 360) und Nintendo (Wii) auf den Markt. Außerdem befänden sich 30 so genannte Next-Generation-Titel in Entwicklung. Electronic Arts erwartet, dass Sony bis zum Jahresende lediglich 500.000 bis 800.000 Geräte der Playstation 3 in den USA ausliefern wird, deutlich weniger als Sony bisher angekündigt hat. Nintendos Wii soll deutlich besser verfügbar sein. EA geht von 900.000 bis 1,4 Millionen Geräten in den USA und 200.000 bis 900.000 Konsolen für Europa aus, die bis zum Jahresende geliefert werden sollen.
Zusätzliche Einnahmequellen versprechen die neuen Kooperationen mit Apple für iPod-Spiele und den Werbepartnern Massive sowie IGA im Bereich der Ingame-Werbung und Produktplatzierung in Spielen von Electronic Arts. So konnten die Umsätze im digitalen Vertrieb über Micro-Payments, Ingame-Werbung und Online-Verkäufe, unter anderem über Xbox Live, um 40 Prozent auf 28 Millionen US-Dollar gesteigert werden.
Bei einer Besprechung der Finanzergebnisse räumten EA-Manager die Verschiebung der PC-Spiele "Army of Two" und "Crysis" auf das Geschäftsjahr 2008 ein, das am 1. April 2007 beginnt. Ursprünglich sollte der vom Frankfurter Entwicklungsstudio Crytek entwickelte Sci-Fi-Shooter Crysis bereits zum Jahreswechsel in den Handel kommen. Das Spiel wird vor allem wegen seiner neuen Grafikeffekte von Spielern als auch von Grafikkartenherstellern mit Spannung erwartet. Die Verspätung könnte sich deshalb auch auf den Absatz der neuen DirectX10-Grafikkarten von ATI und Nvidia negativ auswirken. Microsoft führt "Crysis" bisher als einen der Vorzeigetitel für die neue Grafik-Engine DirectX 10 von Windows Vista an.
Ferner in der Zukunft liegt eine Fortsetzung der Erfolgsreihe "Die Sims". Teil 3 sei bereits in Entwicklung und soll im Finanzjahr 2009 erscheinen, das am 1. April 2008 beginnt und am 31. März 2009 endet. (hag)