Google will mit EU-Kommission kooperieren
Der Suchmaschinendienstleister hat signalisiert, im nun angelaufenen offiziellen kartellrechtlichen Verfahren mit der EU-Kommission zusammenarbeiten zu wollen.
Der US-amerikanische Suchmaschinendienstleister Google hat angekündigt, bei den anstehenden kartellrechtlichen Untersuchungen der EU-Kommission weiterhin zu kooperieren und ihre Fragen zu beantworten. Ob dazu auch gehört, den geheimen Suchalgorithmus preiszugeben oder – , wie berichtet wird – zumindest vertrauliche Informationen darüber, ist noch nicht klar. Die EU-Kartellwächter hätten aber bereits signalisiert, nicht so weit gehen zu wollen, schreibt die Financial Times Deutschland.
In einem Eintrag im offiziellen Weblog des Unternehmens schrieben die Google-Manager Susan Wojcicki und Udi Manber, auch wenn es naheliegend sei, müsse noch einmal betont werden, dass Google sich an Nutzer richte, nicht an Websites. Das vergäßen die Menschen mitunter. Google wolle die Anfragen der Nutzer möglichst schnell und exakt beantworten. Unter den "ten blue links", den ersten Suchergebnissen, könne sich manchmal ein Verweis auf eine Zeitungsmeldung, ein Sportergebnis, ein Aktienkurs, Video, Landkarte oder ein Wetterkurzbericht befinden – zum Beispiel wenn der Nutzer "weather in london" eingibt. Künftig werde Google viel komplexere Fragen ebenso schnell und deutlich beantworten. Anzeigen seien auch Informationen; Google arbeite hart daran zu sichern, dass sie in einem direkten Zusammenhang damit stehen, was die Nutzer gerade suchen.
Wojcicki und Manber beteuern, ihr Unternehmen wolle so transparent wie möglich sein. Google habe nie wie mancher Konkurrent Geld dafür genommen, Suchergebnisse unterzubringen, ohne die Nutzer darüber zu informieren. Die Werbung werde strikt von den "organischen Suchergebnissen" getrennt. Außerdem gebe Google mehr Informationen über seine Ranking-Funktionen heraus als jeder andere große Suchmaschinenbetreiber. Die Kunden würden ausführlich darüber informiert, wie Werbeplatz-Auktionen funktionieren und wie sie ihren "AdWords-Qualitätsfaktor" verbessern können.
Google antwortet damit auf Kritik der BeschwerdefĂĽhrer Foundem, Ejustice.fr und Ciao. Sie werfen Google vor, ihre Angebote in Listen unbezahlter Suchergebnisse zu benachteiligen. AuĂźerdem soll Google Werbepartner daran gehindert haben, Werbung von Rivalen auf ihren Webseiten zu schalten und Daten aus einer Kampagne bei Google auf konkurrierende Dienste zu ĂĽbertragen.
Dabei gerät der Suchmaschinendienstleister nicht das erste Mal in das Visier der Kartellwächter. Im aktuellen Verfahren schaut sich die EU-Kommission aber nicht mehr nur wie im Falle der Übernahme von DoubleClick "einzelne Bäume" an, sondern auch den "ganzen Wald", sagte der US-Kartellrechtsexperte Jarrett Arp laut einem Bericht der Los Angeles Times. Die Größe des Unternehmens Google allein spiele bei den Kartellwächtern eine so große Rolle wie nie zuvor.
Auch andere Beobachter in den USA wie der von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zitierte Analyst Greg Sterlin sehen im offiziellen Start der kartellrechtlichen Untersuchung einen Ausdruck der Besorgnis über Googles Größe. Dass die europäischen Behörden sich nun im Gegensatz zu den US-amerikanischen auf dem Suchmaschinenmarkt einmischen, ist für den britischen Analysten Sam Hart keine Überraschung, zumal Googles Dominanz hierzulande größer ist als jenseits des Atlantiks. Er vermutet aber, dass die EU-Kommission bei Google nicht weitreichende Änderungen verlangen werde, sondern eher kleinere Optimierungen an den Suchfunktionen. (anw)