E12 Gipfel: Das Internet wird zum Outernet
Auf dem 12. Gipfeltreffen kamen rund 200 Führungskräfte dieses Mal im Seeheimer Trainingcenter der Lufthansa zusammen und ließen sich über die IT-Trends von morgen aufklären.
Wenn "Digital Natives" mit 3D-Gestensteuerung ihre Powerpoint-Folien jonglieren und Wissensmanagement im Unternehmen betreiben, wenn das Web durch mobile Geräte und Anwendungen zum "Outernet" wird – dann ist wieder E12-Gipfel. Auf dem 12. Treffen am Montag im Seeheimer Trainingcenter der Lufthansa wurden den rund 200 Teilnehmern aus dem höheren Management die IT-Trends von morgen vorgestellt. Zum Auftakt warnte Lufthansa-CIO Thomas Endres davor, IT-Kultur und Business als getrennte Welten zu betrachten. Vielmehr müssten auf einem breiten IT-Fundament "schnell andockbare Lösungen" geliefert werden, die dem Geschäft unmittelbar nützen.
Thomas Schildhauer vom Institute of Electronic Business stellte zehn Prognosen vor, wie das Outernet die Arbeitswelt verändert. Auf der einen Seite setze eine De-Evaluation des Expertentums ein. Dies gehe mit der zunehmenden Nutzung elektronischer Assistenten einher, die den Tagesablauf jedes Wissensarbeiters begleiten. Die für die IT wichtigste These nach Schildhauer: "Jedes Unternehmen mit Endkundenkontakt wird Softwareanbieter." Außerdem werde es einen Paradigmenwechsel im Datenschutz geben, wenn Bürger mit einem Klick die über sie gespeicherten Daten in einem Unternehmen ansehen und bei Bedarf auch löschen lassen können.
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Inflight-Entertainmen-System
Der deutsche Microsoft-Chef Ralph Haupter machte nicht nur Werbung für eine Reihe von Microsoft-Technologien, sondern erzählte den amüsierten Managern, wie er bei der Realisierung eines Video-Kommunikationssystems für einen Großkunden auf einmal mit dessen Betriebsrat zu tun hatte: "Ich war hilflos." Die Erkenntnis, dass eine Unternehmens-Community auch hier eine offene Kommunikationskultur brauche, sei zukunftswichtig.
An die Vorträge E12-Gipfels schlossen sich eine Reihe von Workshops an. Die Teilnehmer konnten lernen, wie man Social Media im Unternehmen integriert ("Lockern Sie die Zügel") und welche große Bedeutung 3D-Technologien oder Augmented Realities für das Geschäft haben werden. Hier diente der digitale U-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin als Trendsetter-Beispiel, wie Kommunikation "schneller als in Echtzeit" ablaufen wird.
In einer Ausstellung zeigte Lufthansa Systems passend zum Start von FlyNet ihr neues Inflight Entertainment System (IFE). Das System ist ein Outernet, an dem bereits etliche Airlines Interesse haben sollen. Kernstück ist ein Video-Server mit zwei schnellen SSD-Speichern (600 GB, demnächst 1 TB) und zwei WLAN-Routern (802.11n) für die Übertragung. Fluggäste, die mit Laptop, iPad oder einem Smartphone auf die Reise gehen, können sich einloggen und aus einem Angebot von über 100 Filmen wählen.
Je nach dem Wunsch der Airline kann das Angebot gratis, kostenpflichtig oder mit Werbeunterbrechungen gestaltet werden. Microsoft Silverlight liefert die DRM-Komponente, damit Filme nicht flugs kopiert werden können. Textnachrichten der Crew können im IFE an jeden Sitzplatz gesendet werden, wobei ein Rückkanal möglich ist, über den in der Kombüse etwa ein Bier zum Film geordert werden kann. So entfällt nicht nur der Rufknopf für die Flugbegleiter, sondern auch der Einbau eines Kabelsystems mit LCD-Panels in den Sitzen. Laut Entwicklungsleiter Peter Hommel hat LH Systems Mittelstreckenjets für Flüge von vier bis fünf Stunden im Visier, in denen das Unterhaltungsangebot der Gewichtsersparnis geopfert wurde. (vbr)