Internet per Stromnetz: Neuer Anlauf in den USA

Google, Hearst und Goldman-Sachs investieren 100 Millionen US-Dollar, IBM und Centerpoint Energy bündeln ihre Kräfte, um Breitband-Internet per Stromleitung voranzutreiben.

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Vergangene Woche konnte sich Current Communications über eine Kapitalspritze freuen, wie das Wall Street Journal berichtet: Neben anderen investieren Google, das Medienunternehmen Hearst und das Finanzhaus Goldman-Sachs rund 100 Millionen US-Dollar in den Provider. Current Communications vertreibt bereits Breitband-Internet über das Stromnetz (Broadband over Powerline, BPL) im Großraum Cincinnati (Ohio) und will sein Angebot nun auf die Flächenstaaten Indiana und Kentucky ausweiten, wo DSL-Anschlüsse dünn gesät sind. Fernziel ist, in Kooperation mit lokalen Energieversorgern rund 24 Millionen Kunden zu erreichen. Current offeriert symmetrische Zugänge mit maximal einem respektive drei MBit/s, die 30 bis 40 US-Dollar monatlich kosten. Für 50 Dollar bekommen Heimarbeiter für den 3-MBit/s-Anschluss eine fixe IP-Adresse für eigene Server.

Ganz so weit sind IBM und CenterPoint Energy noch nicht: Am Montag kündigte der Computerkonzern an, den Energieversorger bei seinem BPL-Testbetrieb zu unterstützen. Im August sollen 50 von rund 220 Haushalten in Houston (Texas) BPL nutzen. Als Stromlieferant erhofft sich CenterPoint nützliche Nebeneffekte: Die Powerline-Modems sollen nicht nur den Breitbandzugang schaffen, sondern parallel den Stromverbrauch erfassen und übermitteln (Metering), was Ablesekosten senkt. Da die Modems ständig in Betrieb sind, kann man den aktuellen Verbrauch messen und eine feinere Netzsteuerung realisieren. Zudem fallen Störungen in Teilnetzen schneller auf.

Die BPL zugrunde liegende Powerline-Communication-Technik (PLC) dient im Outdoor- oder Access-Bereich als Zubringer auf der letzten Meile, in diesem Fall über die Stromleitung zwischen Trafohäuschen und dem Hausanschluss. Anders als DSL über die Telefonleitung ist PLC ein Shared Medium, alle Haushalte an einem Strang teilen sich die Bandbreite. Innerhalb von Wohnungen (Indoor) schafft PLC Verbindungen, wo man mit Kabeln oder Funk keine bekommt, beispielsweise zwischen DSL-Modem im Keller und Router im Obergeschoss. Etablierte Kurzwellennutzer, hauptsächlich Funkamateure, aber auch Rundfunknutzer, betrachten beide Spielarten wegen ihres Störpotenzials mit Argwohn. In Österreich ist der Streit bereits eskaliert. Zudem kommt derzeit mit Wimax eine per Funk arbeitende Konkurrenz für den Access-Bereich auf -- mehr darüber in der aktuell am Kiosk liegenden c't-Ausgabe 15/05. (ea)