Kein Sex bitte, wir sind Briten!

Schon lustig, wie engagiert der britische Kommunikationsminister Ed Vaizey für ein sauberes Internet kämpft.

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Es ist schon merkwürdig, dass Menschen immer wieder dazu neigen, ihre eigenen Klischees zu übertrumpfen: Mit einiger Verblüffung habe ich beispielsweise erst kürzlich zur Kenntnis genommen, wie engagiert der britische Kommunikationsminister Ed Vaizey für ein sauberes Internet kämpft.

Sauber bedeutet diesem Zusammenhang natürlich – wenig verwunderlich – kein Sex für Minderjährige. Der Minister will sich „in naher Zukunft“ mit allen großen britischen Internet-Providern treffen, um zu diskutieren, wie das bewerkstelligt werden kann. Natürlich strikt freiwillig – erst wenn die Provider nicht mitspielen, ist leider, leider eine gesetzliche Regelung notwendig.

Die zentrale Idee ist ebenfalls nicht wirklich originell: Die Provider sollen auf Basis einer zentralen Sperrliste den Zugriff auf alle Web-Seiten blockieren, die pornografisches oder sonstwie nicht jugendfreies Material zeigen. Jeder, der die gesperrten Seiten abrufen will, muss diese Freischaltung erst bei seinem Internet-Provider beantragen.

Deeply shocking, isn’t it? Selbst wenn man – was ich nicht tue – zu dem Schluss kommt, dass es an dieser Front dringenden Handlungsbedarf gibt, dann ist eine zentrale Sperrliste eine denkbar unintelligente Lösung. Längst gibt es eine Vielzahl von Software-Werkzeugen, die, individuell anpassbar, Kinder beim Surfen schützen.

So lange es halt geht – ab einem bestimmten Alter ist die Kindersicherung doch sowieso nur noch eine Aufforderung zum kreativen Hacken. Die Kollegen vom "Guardian" befürchten jedenfalls, dass die britische Regierung eh nicht in der Lage wäre, ein solches Projekt zu managen. Vielleicht sollten die Briten einfach mal die ganze Kolonialgeschichte vergessen und bei den Saudis anrufen. Die wissen, wie man so was macht – jedenfalls im Prinzip. (wst)