Drahtlos-Internet parallel zum Fernsehsignal

Eine neuartige Übertragungstechnik verspricht Breitband-Internet per Funk, und das bis in Gebäude hinein. Ob xMax jedoch den Sprung nach Europa schafft, darf bezweifelt werden.

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Mit einer Mischung aus klassischer Ăśbertragungstechnik und UWB (Ultra-WideBand) will sich die US-NeugrĂĽndung xG Technology ein StĂĽck vom Drahtlos-Kuchen abschneiden. Ihr xMax-System soll parallel zu etablierten Funkanwendungen auf den gleichen Frequenzen arbeiten, was eine effizientere Nutzung des Funkspektrums verspricht.

xMax setzt auf zwei Komponenten: Ähnlich den Pilottönen bei OFDM (WLAN, ADSL) dient ein starker, aber schmaler Träger als Referenz für ein Seitenbandsignal, das als Datenkanal fungiert. Die Seitenbänder neben dem Träger sind zusammen bis zu 100 MHz breit, aber nicht stark genug, um den US-Grenzwert für lizenzfreie Anwendungen (FCC Part 15, -41 dBm/MHz) zu überschreiten. Damit soll xMax klassische Funksysteme nicht spürbar beeinflussen. Für den Referenzträger braucht man allerdings ein freies Funkfleckchen.

Laut xG Technology eignet sich xMax besonders für Datenfunk in den bereits für terrestrisches Fernsehen belegten VHF- und UHF-Bändern, denn dieses besitzt zumindest in Sendernähe reichlich Reserven, um schwache Störungen ignorieren zu können. Außerdem dringen VHF/UHF-Signale dank ihrer niedrigeren Frequenz weiter in Gebäude ein als das Signal von WLAN- oder Wimax-Hotspots, was Notebook-Nutzer schätzen dürften.

Im Testbetrieb ohne Sichtverbindung (Non-Line-of-Sight, NLOS) will xG Technology mit lediglich einem halben tausendstel Watt (0,5 Milliwatt) im Seitenbandsignal dieselbe Reichweite erzielt haben wie eine 2000mal so starke WLAN-Basisstation (802.11a). Die Datenrate soll bei einigen Megabit pro Sekunde liegen. Derzeit errichtet xG Technology die ersten Pilotinstallationen in Miami und Fort Lauderdale, bei denen eine Basisstation in einem Gebiet von rund 100 Quadratkilometern einige hundert potenzielle Kunden versorgen soll.

HF-Experten stehen xMax jedoch skeptisch gegenüber, denn der Ansatz ist nicht so frei von Nebenwirkungen, wie es einige Medien kolportieren: In auch funktechnisch dicht besiedelten Gebieten wie Europa dürfte die Technik auf Schwierigkeiten stoßen, denn das breites, aber schwache Signal hebt unweigerlich den Rauschteppich für etablierte Funkanwendungen an und reduziert damit deren Systemreserve. Analog-TV-Zuschauer am Versorgungsrand eines TV-Senders würden stärkeres Bildrauschen erhalten, bei DVB-T könnten häufigere Klötzchenstörungen erscheinen. Zudem wirkt der Effekt auch in umgekehrter Richtung. Auch mit Tricks lässt sich das Spektrum eben nicht doppelt nutzen. (ea)