Lifelogging-Kamera als kommerzielles Produkt

Die Idee beim Lifelogging ist so einfach wie radikal: Das ganze Leben einer Person soll aufgezeichnet werden. Microsofts SenseCam-Prototyp wird nun als "Vicon Revue" vermarktet – mit eher eingeschränkten technischen Spezifikationen.

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Die Idee beim Lifelogging ist so einfach wie radikal: Das ganze Leben einer Person soll aufgezeichnet werden. Alles, was sie sieht, hört, spricht, welche Medien und sozialen Netze sie frequentiert, was sie digital liest, schreibt, versendet, wird gespeichert. Technisch ist das schon seit Längerem kein Problem mehr.

Der Microsoft-Forscher Gordon Bell ist ein Pionier dieser Art von Aufzeichnung. Von 2001 bis 2007 hat er seine gesamten digitalen Dokumente, Fotos, Videos, Telefonate, die Musik, die er gehört und die Filme, die er gesehen hat, im Rechner erfasst. Und so einschließlich seines per GPS protokollierten Aufenthaltsorts 150 Gigabyte an Daten auf seine Festplatte gespeichert – unter anderem mit der ebenfalls von Microsoft entwickelten SenseCam, die er um seinen Hals trug.

Diese Technologie hat Microsoft nun lizenziert: Das britisch-amerikanische Unternehmen Vicon hat daraus die Vicon Revue ("Memories for Life") gemacht, eine etwa 580 Euro teure Box zum Umhängen, die maximal acht Weitwinkelaufnahmen pro Minute schießt, automatisch angeregt durch wechselnde Lichtverhältnisse oder Temperaturänderungen.

Technology-Review-Autor Peter Glaser findet die Idee allerdings eher durchwachsen, wie er in seinem aktuellen "Verriss des Monats" schreibt. Wenn man zum Beispiel in ein Restaurant gehe, reagiere das Gerät auf das gedimmte Licht oder die Klimaanlage. "Aber auch wenn das Ding einen Infrarot-Bewegungsmelder, einen Mehrachsen-Beschleunigungsmesser und einen Kompass enthält, ist der Preis einfach nicht gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass heute jedes Smartphone über derlei Komponenten verfügt."

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(bsc)