Digitalisierung als Vehikel fĂĽr eine "neue Renaissance"

Ein von der EU-Kommission eingesetztes Expertengremium rät, sämtliche in der EU zugänglichen Werke in das Portal Europeana einzubringen.

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Die EU-Mitgliedstaaten sollten sich intensiver darum bemühen, die in sämtlichen Bibliotheken, Archiven und Museen vorhandenen Sammlungen ins Internet zu stellen. Das ist eine der Forderungen der "Reflexionsgruppe zur Digitalisierung", die heute der EU-Kommission ihren Bericht (PDF-Datei) vorgelegt hat. Die Gruppe, bestehend aus dem Publicis-CEO Maurice Lévy, dem Schriftsteller Jacques De Decker und Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, war im April eingesetzt worden, um "Empfehlungen vorzulegen, wie sich Digitalisierung, virtuelle Verfügbarkeit und Erhaltung kultureller Werke in ganz Europa möglichst noch schneller bewerkstelligen lassen". Die Empfehlungen sollen in der umfassenden Strategie der Kommission im Rahmen der Digitalen Agenda für Europa berücksichtigt werden.

Die Zusammenführung des kulturellen Erbes Europas werde für eine "neue Renaissance" sorgen. Als zentrale Stelle sieht der "Ausschuss der Weisen", wie die EU-Kommission das dreiköpfige Expertengremium auch nennt, das Portal Europeana. Bis 2016 sollten dort alle öffentlich zugänglichen Werke eingebracht werden. Die Digitalisierung und Verwertung dieser Werke sollte hauptsächlich in der Hand der Rechteinhaber liegen. Falls sie hier nicht aktiv werden, sollen Kultureinrichtungen Material digitalisieren und es öffentlich zugänglich machen können. Die Rechteinhaber sollen dafür eine Vergütung erhalten.

Die Mitgliedsstaaten sollten ihre Mittel für die Digitalisierung erheblich aufstocken, um Arbeitsplätze zu schaffen und künftiges Wachstum zu fördern, meinen die "Weisen". "Die für den Bau von 100 km Straße notwendigen Mittel würden ausreichen, um 16 Prozent aller in den Bibliotheken der EU vorhandenen Bücher oder alle Audio-Inhalte der Kultureinrichtungen der EU-Mitgliedstaaten zu digitalisieren." Um die Erhaltung von Sammlungen in digitalisierter Form zu gewährleisten, sollte eine zweite Kopie dieser Kulturgüter bei Europeana archiviert werden. Die Experten fordern weiter, möglichst schnell EU-Regeln für Werke zu erlassen, deren Rechteinhaber nicht ermittelt werden können.

Die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes sagte, "die Bereitstellung der Sammlungen von Museen und Bibliotheken im Netz bringt nicht nur die reiche Geschichte und Kultur Europas zur Geltung, sondern kann auch mit neuen Vorteilen bei Bildung, Innovation und der Schaffung neuer wirtschaftlicher Betätigungsfelder einhergehen". So würden hochwertige Inhalte für viele Generationen ins Netz gestellt. Der Bestand der Europeana ist von 2008 bis November 2010 von 2 Millionen auf 14 Millionen digitalisierte Bücher, Landkarten, Fotos, Gemälde, Filme und Musikstücke gewachsen. (anw)