Organismus per Software
Der Biologe Christopher Voigt will die Herstellung veränderter Mikroben drastisch vereinfachen: Er entwickelt gemeinsam mit der Firma Life Technologies ein Programm, um den Entwurf "genetischer Schaltkreise" zu automatisieren.
Genetisch veränderte Mikroben gelten als die Biomaschinen der Zukunft: Mit ihrer Hilfe wollen Forscher Kraftstoffe und Medikamente produzieren oder Schadstoffe aus verseuchten Böden entfernen. Die Veränderung der Gene erfordert bislang aber aufwändige Experimente im Labor. Christopher Voigt, Biologe an der University of California in San Francisco (UCSF), will dies drastisch vereinfachen: Er entwickelt gemeinsam mit der Firma Life Technologies eine Software, um den Entwurf „genetischer Schaltkreise“ zu automatisieren, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Damit werden Stoffwechselvorgänge in der Zelle bezeichnet, die aus der Aktivität von Genen, Proteinen und anderen Biomolekülen entstehen. Sie dienen dazu, etwa Zucker in die molekularen Bestandteile von Kraftstoffen zu verwandeln. Voigt und seine Kollegen haben bereits mit verschiedenen genetischen Bausteinen solcher Schaltkreise für das Bakterium Escherichia coli (E. coli) experimentiert.
Ziel sei nun, neue Mikroben-Genome so zu konstruieren wie man ein Computerprogramm schreibe, sagt Voigt. Programmierer müssten schließlich nicht mehr darüber nachdenken, wie sich Elektronen in einem integrierten Schaltkreis bewegen. Auf einem vergleichbaren Abstraktionsniveau solle künftig auch die Konstruktion von Schaltkreisen aus Genen und Proteinen erfolgen, erklärt Voigt. „Wenn es uns gelingt, Rechenprozesse auf die Fähigkeiten von Bakterien anzuwenden, bekommen wir die volle Kontrolle über die Herstellung von Spinnenseide und anderen wertvollen Chemikalien.“
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(bsc)