Rückruf-Betrug mit Mehrwertnummern erreicht Österreich
Offenbar ruft ein Computer wahllos Handynummern an und legt nach einmal Läuten auf; bei Rückruf der österreichischen Ortsnetzrufnummer erfährt man von einem angeblichen Gewinn, den man unter einer Mehrwertdienstenummer abfragen könne.
Aufmerksame heise-online-Leser berichten über neue Betrugsversuche mit Mehrwertnummern. Offenbar ruft ein Computer wahllos Handynummern an und legt nach einmal Läuten auf. Am Gerät des Angerufenen scheint unter "entgangene Anrufe" eine österreichische Ortsnetz-Rufnummer auf. Wer zurückruft, wird von einem Tonband über einen angeblichen Geldgewinn informiert und aufgefordert, eine andere Rufnummer zu wählen, um die Auszahlung zu veranlassen. Dabei handelt es sich um eine so genannte Mehrwertrufnummer, die rechtlich vorgeschriebene Information über die Kosten fehlt allerdings. Wie der österreichische Konsumentenschutzstaatssekretär Sigisbert Dolinschek berichtet, kostet der Anruf bei dieser Mehrwertnummer 2,17 Euro pro Minute und dauert fast sieben Minuten, bevor man erfährt, doch nichts gewonnen zu haben. Die Kosten der Verbindung belaufen sich also auf fast 15 Euro.
Hinter der Masche soll eine Londoner Firma stecken. Dolinschek hat den Verein für Konsumenteninformation (VKI) damit beauftragt, eine Unterlassungsklage einzureichen. Unerbetene Anrufe widersprächen der EU-Fernabsatzrichtlinie, dem Konsumentenschutzgesetz und dem Telekommunikationsgesetz. Eine als Absendernummer genutzte Wiener Telefonnummer ist heise online bekannt, Anrufversuche erbrachten aber nur Besetztzeichen. Der entsprechende Nummernblock ist UPC Telekabel zur weiteren Vergabe an Endkunden zugeteilt. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, dass es den entsprechenden Anschluss nach eingehender rechtlicher Prüfung am gestrigen Mittwoch gesperrt habe. Vorsicht ist jedoch weiterhin geboten, da die Gauner auf andere Anschlüsse oder andere Länder umsatteln können. Den besten Schutz gegen Betrugsversuche bietet eine Sperre des eigenen Anschlusses für Verbindungen zu Mehrwertdiensten. Solch eine Sperre muss jeder Netzbetreiber kostenlos einrichten.
Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien sind ähnliche Abzock-Systeme schon seit einiger Zeit ein Thema. In Japan waren ebenfalls zigtausende Mobilfunk-Nutzer kurz "angeläutet" worden, wobei die teure "Premium Number" direkt als Absender angeführt war. Bei einer Razzia fanden die Behörden Computer, die tausende Kurzanrufe pro Minute abwickeln konnten.
In Österreich muss bei jeder Bewerbung eines Mehrwertdienstes das anfallende Entgelt angeführt werden. Anfang des Jahres hatten Betreiber von Sex-Hotlines versucht, diese Bestimmung zu umgehen, indem sie Telefonnummern im Bereich 0710 (personenbezogene Dienste) etwa als "Frauen extrem" mit dem ausdrücklichen Hinweis "Normaltarif" propagierten -- was per se nicht rechtswidrig ist. Unter der "personenbezogenen Nummer" war allerdings nur ein Tonband geschalten, das zum Wählen verschiedener 0930-Rufnummern animieren sollte. Da hierbei keine Tarifinformation erfolgte, sind auch diese Dienstebetreiber inzwischen Gegenstand eines Verfahrens der Fernmeldebehörde.
Siehe dazu auch:
(Daniel AJ Sokolov) / (jk)