Speicherpreise im Sinkflug
Im 8-Wochen-Rückblick verlieren Speichermodule fast 30 Prozent an Wert. Aktuell kann der Fachhandel nicht auf eine Besserung hoffen, zu groß ist die angehäufte Überproduktion. Die Branche übt sich zwar in Durchhalteparolen, mehr als eine vorübergehende Stabilisierung scheint aber kurzfristig nicht möglich.
Seit dem Jahreswechsel verlieren DDR-2 und DDR3-Speicher bis zu 25 Prozent an Wert.
Der Speichermarkt gibt aktuell ein klägliches Bild ab. Die Preise fallen ins bodenlose und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Nachdem alle Chip-Produzenten auf DDR3 umgestellt und verbesserte Anlagen zur Fertigung von kleineren Dies installiert haben, sitzt die Branche auf einer immensen Überproduktion. Wieder einmal, möchte man sagen. Hinzukommt, dass das OEM-Geschäft zuletzt nicht den Erwartungen entsprach.
Wobei der Verkauf hierzulande vergleichsweise ordentlich läuft. "Obwohl die Preise während des vergangenen Jahres weiter gefallenen sind, war 2010 insgesamt betrachtet ein gutes Speicherjahr", resümiert Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "2011 setzt sich dies bisher fort."
George Linardatos, Geschäftsführer bei Transcend schließt sich an und berichtet von einem deutlichen Wachstum: "Eigentlich hat das neue Jahr bei DDR2- und DDR-3 Speichern dort weitergemacht, wo das alte Jahr aufgehört hat. Es herrscht eine allgemein gute Verfügbarkeit mit nach unten tendierenden Preise bei einem guten Nachfrageverhältnis."
DDR2 und DDR3 im Gleichschritt nach unten
Für ein 2-GByte-Markenmodul müssen Reseller in der KW 4 zwischen etwas über 20 Euro (DDR-800) und nicht ganz 42 Euro (DDR3-1333) veranschlagen. Gegenüber den Werten Anfang Dezember entspricht dies einem Preisverfall von rund 29 Prozent. Im Wochenvergleich beträgt der Wertverlust rund fünf Prozent. Aktuell sind die HEKs für DDR2 und DDR3 annähernd gleich betroffen.
Bis auf weiteres sollte der Handel davon ausgehen, dass die HEKs weiter nachgeben. Zwar hofft die Distribution auf stabile Preise, eine Tendenz nach unten wird aber weiter bestehen. "Alles ist möglich", meint Linardatos. "Die Ruhe im Markt könnte auch eine Ruhe vor dem Sturm bedeuten. Es bleibt abzuwarten, wie die Märkte nach den chinesischen Neujahrsfeiertagen Anfang Februar ins Rennen gehen. Es könnte alles wie bisher weitergehen. Alle Marktteilnehmer sollten zumindest darauf eingestellt sein, dass es auch anders als vermutet verlaufen könnte. Dann nämlich gilt es, schnell zu reagieren und sich zumindest kurzfristig gut mit Speichermodulen und Flash-Produkten einzudecken."
OCZ steigt aus dem Speichergeschäft aus
Nichts mehr mit dem Speicher-Business zu tun hat künftig OCZ Technology. Der Hersteller hat bekanntgegeben, sich aus dem Geschäft mit Arbeitsspeicher zurückzuziehen. "Unsere Speicherprodukte laufen zu Ende Februar aus – Service und Garantie bleiben natürlich voll erhalten", erklärt Klaus Stötzel, Director Sales & Marketing Europe bei OCZ Technology, gegenüber heise resale. "Durch die Entwicklungen der letzten CPU-Generationen ist die Möglichkeit, mit gutem Over-Clocking-Speicher für den Anwender sinnvolle Vorteile zu erzielen, immer weniger geworden. Spätestens mit Sandy-Bridge macht High-Performance-Speicher, um die CPU höher zu Takten, gar keinen Sinn mehr." OCZ konzentriert sich fortan auf den SSD-Bereich (Solid-State Disks).
Bei der Preisbeobachtung unterstützten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH
"Unterm Strich sehen wir für den Anwender mehr Vorteile darin, für die Preis-Differenz zwischen normalem und High-Performance-Speicher eine SSD einzusetzen. Bei SSDs haben wir es durch eine aggressive Produktentwicklungen geschafft, uns vom Mitbewerb abzuheben", ergänzt Stötzel Im RAM-Markt sei dagegen die Möglichkeit innovativ zu sein, sehr gering geworden. (map)