Biogas aus Bananenblättern soll Afrika helfen

Der Verein „Ingenieure ohne Grenzen“ hat eine Biogasanlage für den Einsatz im ländlichen Afrika entwickelt. Nach den oftmals enttäuschenden Erfahrungen mit internationalen Hilfsorganisationen setzen die Technik-Experten jetzt auf Eigen-Initiative.

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Der Verein „Ingenieure ohne Grenzen“ hat eine robuste und kostengünstige Biogasanlage für den Einsatz im ländlichen Afrika entwickelt. Nach den oftmals enttäuschenden Erfahrungen mit internationalen Hilfsorganisationen setzen die Technik-Experten jetzt auf Eigeninitiative, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 2/2011 ist seit dem 27. 1. im Zeitschriftenhandel oder portokostenfrei online im Heise-Kiosk zu bestellen).

In Vorab-Studien hatten die Ingenieure zwar festgestellt, dass die Akzeptanz für Biogas in Tansania generell hoch ist. Doch die in den neunziger Jahren dort errichteten Anlagen anderer Entwicklungsorganisationen stellten sich als Flop heraus. „Von den zehn Biogasanlagen arbeiten neun heute nicht mehr“, sagt der Experte für Erneuerbare Energien Philipp Becker. Denn eines der Hauptprobleme dieser alten Bauten sei, dass Gasspeicher und Rohre aus Metall verwendet wurden, von denen Teile oft über Nacht verschwunden sind. Bei Schäden durch Korrosion oder Diebstahl könne sich eine arme Kleinfamilie aber keine Reparatur oder einen Ersatz leisten.

Um herauszufinden, welches Biogas-Konzept für Tansania sinnvoller wären, ließ der Verein daher zwei Testanlagen konstruieren - eine wurde an der Uni Hohenheim entwickelt, die zweite in Berlin. Herausgekommen ist eine Kombination aus einem sogenannten Pfropfenstromfermenter und einer Dombiogasanlage. Gefüttert wird diese Anlage mit rund 50 Kilogramm Biomasse am Tag, bestehend aus Bananenblättern, sonstigen pflanzlichen Reststoffen, Rinderdung und Küchenabfällen. Um ihr selbst gestecktes Kostenziel von 500 Euro für die gesamte Anlage zu erreichen, müssen die Ingenieure zwar noch einige leichte Verbesserungen entwickeln. Ein Prototyp in Karagwe produziert seit Ende Dezember jedoch schon die geplanten zwei Kubikmeter Biogas pro Tag. Sehen die Afrikaner erst einmal, dass die kleinen Anlagen problemlos funktionieren, hoffen die Beteiligten, werde der Aufbau wie ein Buschfeuer um sich greifen. (wst)