Wenn Software betrügt

Große Hardware-Hersteller stecken immer öfter für den Nutzer unschönen Programmcode in ihre Produkte. Das Phänomen hat mittlerweile einen Namen: Traitorware.

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Große Hardware-Hersteller stecken immer öfter für den Nutzer unschönen Programmcode in ihre Produkte. Das Phänomen hat mittlerweile einen Namen: Traitorware.

Technik soll bekanntlich einfach zu bedienen sein. Das, was intern in unseren Computern, Smartphones, ja auch in unseren Autos und Kühlschränken abläuft, bleibt uns deshalb weitgehend verborgen. Selbst Fachleute nehmen heute ein Stück Consumerelektronik nicht mehr auseinander, bevor sie nicht über den Wartungsanschluss irgendwelche Fehlercodes abgefragt und verifiziert haben. Die Abstraktion, so scheint es, kennt keine Grenzen.

Natürlich ist das auch gut: kein Wunder etwa, dass Tablet-Rechner derart viele Freunde gefunden haben. Auf vielen dieser Geräte existiert kein für Außenstehende sichtbares Dateisystem mehr, die "Kommandozeile" ist ein Fremdwort und an Konfigurationsdateien kommt man nur heran, wenn man vorher zum Amateurhacker wird. Trotzdem bekommt man mit solchen Geräten seine Arbeit erledigt und wird dank zahlloser Apps gut unterhalten.

Allerdings hat das Verstecken der Innereien von Technik auch viele Nachteile. Neben dem alten "Das kann ich nicht mehr alleine reparieren"-Seufzer ist es die Tatsache, dass man seinen Geräten blind vertrauen muss, auch das zu tun, was sie einem sagen. Doch genau das ist eben nicht immer der Fall: Hersteller versuchen, Dinge zu implementieren, die nur ihnen nutzen, zur Marktabschottung beispielsweise oder zur Nachverfolgung.

Die Netzbürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation hat kürzlich einen Namen für solche zumeist in Softwareform gegossene Betrügereien am Nutzer gefunden: Traitorware. Das kann eine Musik-CD sein, die auf den Rechner zu Kopierschutzzwecken ein Schnüffelprogramm installiert. Ein Drucker, der jeden Ausdruck mit einem nicht sichtbaren Code belegt, der die Privatsphäre einschränkt. Oder ein Smartphone, das sich auf Wunsch des Herstellers selbst lahmlegt, wenn der Nutzer beispielsweise versucht, es intern zu verändern.

Und wie fast immer gilt hier: "Gut" ist das Gegenteil von "gut gemeint". Das findet auch die EFF und schreibt: "Traitorware wird manchmal in ein Produkt aus weniger offenkundig bösen Absichten eingebaut. (...) Farb-Laser-Drucker haben manchmal Hilfswerkzeuge für Forensiker integriert. (...) Lassen Sie sich davon nicht täuschen – Software, die ihre Daten an Dritte weitergibt und das versteckt, ist gefährlich und unehrlich."

Die direkte Antwort auf Traitorware kann nur Offenheit lauten. Möglich wäre die beispielsweise durch ein Bereitstellen von Quellcodes. Die müssten sich Otto-Normal-Verbraucher natürlich nicht ansehen, doch solange sie verfügbar sind, können Fachleute draufschauen und dem regulären Publikum mitteilen, was sie entdeckt haben. Das hat im übrigen für die Hersteller noch positive Nebenaspekte: Sie erfahren von Sicherheitslücken und schweren Fehlern möglicherweise früher, weil viel mehr Augenpaare ihre Software durchforsten. (bsc)