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Ein US-Unternehmen steht kurz vor dem Marktstart mit einer neuartigen FuĂźprothese, die fast genauso gut funktionieren soll wie ihr natĂĽrliches Vorbild.

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Ein US-Unternehmen steht kurz vor dem Marktstart mit einer neuartigen FuĂźprothese, die fast genauso gut funktionieren soll wie ihr natĂĽrliches Vorbild.

Das US-Start-up iWalk aus Cambridge hat im Januar 15 Millionen Dollar eingeworben. Damit will das 2006 aus dem Massachusetts Institut of Technology ausgegrĂĽndete Unternehmen seine Prothese PowerFoot BIOM auf den Markt bringen, die von der Biomechatronikgruppe der Hochschule entwickelt wurde.

Das System soll dem Träger ähnlich gute Geh- und Laufleistungen wie einem Nichtbehinderterten erlauben. Der PowerFoot BIOM ahmt dabei die Funktion der Wadenmuskeln, der Achillessehne und des Sprunggelenks nach und hat eine größere Beweglichkeit als bisherige Prothesen aus Carbonfasern. Dabei steht beim Abdrücken des Fußes vom Boden nicht nur wie mit aktuellen Systemen die Hälfte der Energie des natürlichen Knöchels zur Verfügung, sondern fast genauso viel.

Darüber hinaus erfassen nach Angaben des Unternehmens Winkel-, Drehmoment- und Drucksensoren 250-mal pro Schritt, wie stark das künstliche Fußgelenk gestreckt oder gebeugt wurde. Daraus berechnen eingebaute Prozessoren die weitere Bewegung und passen den Gang auch an unebenes Gelände, Rampen oder Treppen an. Das Gewicht des PowerFoot BIOM entspricht in etwa dem normaler Gliedmaßen, was vom Träger als weniger störend empfunden wird als bei anderen Prothesen.

Hugh Herr, Leiter der Biomechatronik-Gruppe am MIT und Gründer und Chefwissenschaftler von iWalk, arbeitet bereits seit den Neunzigerjahren an besseren Prothesen. Er hat daran ein persönliches Interesse: Bei einem Bergunfall im Jahre 1982 verlor er selbst beide Beine und wünscht sich seither neue technische Lösungen, die traditionelle Ersatzgliedmaßen übertreffen.

Schon bei einer der ersten Präsentationen der PowerFoot-Technik im Jahr 2007 war er dementsprechend stolz. "Das ist die erste Prothese, die tatsächlich einen Gang erlaubt, der dem des Menschen ähnelt", erklärte Herr damals. Wie das geht, zeigte er anschließend im Direktvergleich: Er trug die neue Prothese am rechten Bein und seine Standard-Prothese am linken. "Die Prothese ist stark genug, meinen Körper nach vorne zu bewegen. Sie hat genügend Kraft, mich eine Treppe hinaufzutragen."

Herrs Grundidee ist eigentlich einfach: Eine Prothese muss sich an der Natur orientieren, um den Träger nicht zu stören und ihn ein normales Leben zu ermöglichen. Wenn wir laufen, "speichern" Bänder und Sehnen die Energie, die produziert wird, wenn der Fuß auftritt. Diese Energie wird dann dazu verwendet, um den Fuß nach vorne zu bewegen. "Die Architektur des menschlichen Beins ist enorm elegant: Wenn wir laufen, ergibt sich ein perfekter Energietransfer von Sehne zu Sehne", sagt Herr.

Was anfangs relativ einfach war, mit einer Reihe von Federn und einem kleinen, batteriebetriebenen Motor, wuchs sich mittlerweile zur Hightech-Lösung aus. Nun soll der PowerFoot BIOM endlich auch in den klinischen Alltag gelangen und raus aus Universitätsstudien. Das geht nur mit Risikokapital, das diesmal von Sigma Partners aus Boston, General Catalyst Partners aus Cambridge und WFD Ventures aus New York City kam. Es war die insgesamt dritte Finanzierungsrunde, 40 Millionen Dollar wurden damit insgesamt von iWalk eingeworben.

Die bisherigen Praxistexts verliefen positiv, beispielsweise am Brooke Army Medical Center, wo Veteranen des Irak- und Afghanistan-Krieges behandelt werden. In Verbindung mit einer Beinprothese können Patienten wieder ähnlich laufen wie früher. Druckstellen und ein Ausgepowertsein des Trägers treten demnach deutlich seltener auf. "Es fühlt sich an, als hätte ich meinen Fuß zurück. Ich kann wieder alles machen, ohne dass es schmerzt oder ermüdend ist", sagt der ehemalige Soldat Justin Lynn. (bsc)