Künstliche Wolken

Die kanadische Firma Sunarc hat eine neuartige Methode entwickelt, Gewächshäuser vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen.

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Die kanadische Firma Sunarc hat eine neuartige Methode entwickelt, Gewächshäuser vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen.

Gewächshäuser erlauben es bestenfalls, Gemüse (und manchmal auch Obst) das ganze Jahr über zu züchten – in Regionen, wo das normalerweise nicht möglich wäre. Geschützt vor der Umwelt wachsen die Pflanzen hier heran. Kälte, Regen, Wind und andere Naturgewalten stören sie dabei nicht.

Im Sommer kann es unter dem Glasdach aber auch zu heiß werden. Wenn die Sonne zu stark scheint, stört das die sonst so optimal abgestimmten Bedingungen im Gewächshaus, schlimmstenfalls führt das zu Verbrennungen der wertvollen Pflanzen, verringert aber in jedem Fall den Ertrag.

Aus diesem Grund verfügen viele Anlagen über Systeme zur Reduktion der direkten Einstrahlung – von einfachen Blenden bis zu rolloartigen Klappsystemen. Das Problem: Der Sonnenschutz sorgt zwar dafür, dass es kühler wird, verschlechtert aber gleichzeitig die für die Photosynthese so wichtige Lichtqualität, was das Wachstum der Pflanzen potenziell verlangsamen kann.

Das Unternehmen Sunarc aus Ontario schlägt deshalb nun eine bessere Lösung vor: Beschattungssysteme aus einem Spezialschaum, der zwischen zwei Polyethylenschichten steckt und sich wesentlich feiner „einstellen“ lässt als traditionelle Schattenspender. Die Idee, die von kanadischen Forschern stammt und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Agri-Food Canada Processing Crops Research Centre in Harrow umgesetzt wird, verspricht außerdem eine große Energieersparnis, da wieder die Sonne die Heizarbeit übernehmen kann.

Auch müssen im Hochsommer keine Lüfter mehr laufen, um die zu warme Luft aus den Hallen zu treiben. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass keine Verschmutzungen wie unerwünschte Samen oder Schädlinge ins Gewächshaus geblasen werden. Mit einer frühen Version ihrer Technik konnten die Kanadier so eine Energieersparnis von bis zu 50 Prozent über zwei Winter nachweisen.

Der Sunarc-Schaum bildet eine Oberfläche, die eher an Wolken denn an die üblichen Gewächshausjalousien erinnert. Es wird aus Tanks zwischen die Polyethylenschichten gepumpt; in der Nacht geht es über eine Absaugung zurück und kann recycelt werden. Ein Sensorsystem, das das Mikroklima innerhalb der Zuchtanlage überwacht, reguliert den „Smartschaum“, in dem je nach aktueller Situation mehr oder weniger von dem Material eingeleitet wird. Die dafür verantwortliche Software soll sich mit wenig Mühe an unterschiedliche Weltregionen anpassen lassen. Der Schaum ist so unterschiedlich einstellbar – von geringer Beschattung bei mittlerer Sonneneinstrahlung bis hin zu starker Beschattung im Hochsommer. Hitzestress wird so vermieden.

Verschiedene Mengen des Schaums ergeben dabei unterschiedliche Bedeckungen und lassen mehr oder weniger Sonnenlicht durch. Die Beschattungsrate liegt zwischen 20 und 45 Prozent, was für den regulären Gewächshausbetrieb auch in heißeren Regionen ausreichen soll.

Das System soll deutlich flexibler sein als Lamellen- oder Stoff-basierte Lösungen – auch weil es die genannte feinabgestufte Beschattung erlaubt. Sunarc konnte seinen Prototypen zwei Jahre lang mit Tomaten- und Paprikaschoten testen und erzielte laut Firmenangaben gute Ergebnisse auch bei der relativen Luftfeuchtigkeit, die in einem kontrollierteren Rahmen blieb als mit regulären Beschattungsanlagen. Die Technik soll nun kommerziell vermarktet werden. Sunarc hat mittlerweile 4,5 Millionen Dollar in die Entwicklung gesteckt. (bsc)