Weihnachtsgeschenke und Terminierungsentgelte: 3-Aktion heizt Diskussion an

Die Aktion von Hutchison 3G Austria, Gutschriften für Prepaid-Kunden bei Annahme von Anrufen aus anderen Netzen zu gewähren, ist für die Konkurrenz Anlass, die Terminierungsentgelte für die Weiterleitung von Anrufen zu kritisieren.

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Eine neue Tarifaktion im heiß umfehdeten österreichischen Mobilfunkmarkt hat die Diskussion um Terminierungsentgelte neu angefacht. 3 (Hutchison 3G Austria) gewährt ab 21. November allen Kunden mit Vorauszahlung (3Reload) Gutschriften, wenn sie Anrufe annehmen (CallMe-Bonus). Für jede volle Minute eines eingehenden Gesprächs aus einem anderen österreichischen Mobilnetz erhöht sich das Guthaben des Angerufenen sofort um 10 Cent. Brancheninsider sehen darin eine Quersubventionierung von den Terminierungsentgelten zu Endkundenguthaben. 3 bestreitet eine solche Verbindung und spricht von einem Weihnachtsgeschenk.

"Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Terminierungsentgelt und Promotion. Diese Aktion ist zeitlich begrenzt und wir sehen den CallMe-Bonus als Weihnachtsgeschenk für unsere Kunden", betonte 3-CEO Berthold Thoma gegenüber heise online. "Die einen machen das Raustelefonieren durch Reduktion des Preises attraktiv – wir haben uns entschieden, an dieser Schraube nicht zu drehen, sondern unterbreiten unseren Wertkartenkunden eben ein attraktives Angebot für eingehende Anrufe."

Die Terminierungsentgelte wurden zuletzt Ende 2005 von der Regulierungsbehörde festgelegt. Aktuell erhalten Mobilkom 8,34 Cent, T-Mobile 10,66 Cent, One 11,28 Cent und Hutchison 3G Austria 15,95 Cent (jeweils netto pro Minute). Die Mobil- und Festnetzbetreiber können sich gemeinsam auf andere Preise ab dem Jahreswechsel einigen. Ansonsten sinken die Mobilterminierungsentgelte halbjährlich um einen halben Cent (1,83 Cent bei 3). Ende 2008 sollen alle Mobilfunker nur noch das bekommen, was den Kosten des größten Anbieters Mobilkom entspricht. Die kleineren Anbieter fürchten, dann Leistungen unter ihren Kosten erbringen zu müssen. Einig sind sich alle nur darin, dass es Änderung bedarf.

"Der Tarif von Hutchison für Wertkartenkunden ist der beste Beweis dafür, dass es allerhöchste Zeit wird, die Mobilterminierungsentgelte in Österreich auf ein einheitliches Niveau zu bringen. Denn dann wäre es Hutchison vermutlich nicht mehr möglich, derart verzerrende Tarifangebote auf den Markt zu bringen", meint Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes. T-Mobile strebt in die andere Richtung und wünscht eine Rückkehr zur betreiberinidividuellen Berechnung der Entgelte. Es soll also jedes Netz jenen Preis erhalten, zu dem es theoretisch (mit höchster Effizienz) arbeiten könnte. Die Mobilkom erwirtschafte Übergewinne, während andere bald zu Kostenunterdeckung gezwungen würden. Der CallMe-Bonus lässt auch T-Mobile bei 3 Spielraum nach unten vermuten.

One stört unterdessen, dass T-Mobile wesentlich mehr bekommt als die Mobilkom, obwohl beide über drei Millionen Kunden haben. "T-Mobile ist seit der Übernahme von tele.ring fast so groß wie die Mobilkom, bekommt aber annähernd so viel wie One", erklärte One-Sprecher Florian Pollack. "Dabei sind wir später auf den Markt gekommen und haben aufgrund der 1800-MHz-Technik höhere Netzkosten." Eine Brancheneinigung scheint schwierig. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)