Fehlerhafte Intel-Chipsätze: Distribution in Wartestellung
Die Distribution befindet sich in Wartestellung. Noch fehlen verbindliche Aussagen der Hersteller, wie und wann die fehlerhaften Chipsätze retourniert werden können. Zwischenzeitlich bauen die Grossisten auf bewährte Bauteile. Bei Eigenmarken ohnehin.
Auf einige A-Brand-Hersteller kommt ein gewaltiges Problem zu: Robin Wittland, Aufsichtsrat der Wortmann AG
(Bild:Â Wortmann)
China feiert das Neujahrsfest und damit den Beginn des Jahres des Hasen. Währenddessen stehen in Europa die Alarmsignale auf Rot. Grund: Die fehlerhaften Intel-Chipsätze treiben Industrie und Handel um. Denn nicht nur die Bauteile bereiten dem Zwischenhandel in Deutschland Kopfzerbrechen, sondern auch die Containerschiffe mit Kurs auf Europa. Sie transportieren nagelneue Rechner, die zu einem Teil mit Mainboards verbaut worden sind, die diese fehlerhaften Chips tragen. Da komme auf einige A-Brand-Hersteller ein gewaltiges Problem zu, meint dazu Robin Wittland, Aufsichtsrat bei der Wortmann AG und unter anderem für Einkauf und Marketing zuständig. "Wenn die Container hier anlanden, kann die Ware nicht verkauft werden. Reparieren beziehungsweise die Boards austauschen, ist kaum möglich. Also muss wertvolle Fracht kostenintensiv gelagert werden. Und bis neue Produkte hier ankommen, vergehen einige Wochen". In der Folge könnte es sogar zu einer gewissen Warenverknappung kommen, will der Aufsichtsrat des Eigenmarkenherstellers und Distributors aus Hüllhorst nicht ausschließen.
Auf jeden Fall sieht Wittland darin einmal mehr einen Grund dafür, auf die Vorteile der Fertigung in Deutschland hinzuweisen. "Wir produzieren im Land, können schnell reagieren und sofort Gegenmaßnahmen ergreifen", erklärt er. Durch diese Flexibilität und die Nähe zum Absatzmarkt könne bei Problemen sofort gegengesteuert werden. Auf jeden Fall setze man bei Wortmann auf die bisher bekannten Chipsätze. "Deshalb sind von uns keine Systeme mit den betroffenen Boards in Umlauf", betont Wittland.
Distribution wartet auf verbindliche Aussagen
So peinlich die Situation für Intel sein mag, eines scheint zumindest zu klappen: Der Kommunikationsfluss zwischen den Mainboard-Herstellern und den Distributoren. So gebe es zwar zur Stunde noch keinen Masterplan zum Umgang mit diesem Thema, wie Andreas Dudda, Business Unit Leiter Komponenten bei Devil in Braunschweig feststellt, doch würden die Gespräche zwischen den beteiligten Herstellern und Intel auf vollen Touren laufen.
Dass noch keine einheitlichen Aussagen von den Boardproduzenten vorliegen, sei für Achim Reichstein, Einkaufsleiter bei Siewert & Kau in Bergheim, eine wenig zufriedenstellende Situation: "Für uns ist es wichtig zu erfahren, wie es weitergeht, nicht zuletzt auch wegen der Kostenfrage bei der Rückabwicklung." Prinzipiell aber würden sich alle Unternehmen an die Empfehlungen halten, keine der betroffenen Mainboards zu verkaufen. Dabei aber, so der Siewert & Kau-Manager, warten die Integratoren und Assemblierer "fieberhaft auf die Ware, ohne die sie die Rechner nicht fertig stellen können". Zumal es dazu keine Alternative von Mitbewerber AMD gebe.
Trotz der unklaren Situation hat Devil-Manager Dudda die Hoffnung, in etwa 14 Tagen mehr darüber zu erfahren, wie die Rückabwicklung der Ware erfolgen soll. "Wir gehen davon aus – so signalisieren auch die Hersteller – dass sowohl abverkaufte als auch die lagernde Ware entsprechend retourniert werden kann.
Produktion mit fehlerhaften Chipsätzen sofort gestoppt
Nicht ganz so optimistisch äußert sich Jörg Engert von Bluechip. Seinen Informationen nach müsse wohl bis April damit gerechnet werden, bis neue Boards geliefert werden können. Bis zu diesem Zeitpunkt hofft er auch auf eine abschließende Klärung der Frage nach der Rückabwicklung der betroffenen Komponenten. Grundsätzlich aber habe Intel schon mal Kulanz zugesichert.
Dabei sei die Eigenmarkenfertigung des Herstellers und Distributors aus Meuselwitz ohnehin nicht wesentlich von den Chipproblemen betroffen. "Wir haben die Produktion mit den betroffenen Chipsätzen sofort gestoppt und verbauen jetzt bewährte und damit einwandfrei funktionierende Boards."
Auch Alternate (Wave Computer, Linden) und die Mindfactory AG aus Wilhelmshaven haben sofort den Verkauf gestoppt. So empfiehlt Marketingmanager Daniel Canoa seinen Kunden – unabhängig von einer noch ausstehenden Regelung durch Intel – die Rücksendung betroffener Mainboards an Mindfactory zur Gutschrift. Selbst wenn keine Fehler festgestellt werden, könne es gegen Gutschrift des Kaufpreises zurückgeschickt werden. Grundsätzlich aber könnte das System weiterhin genutzt werden, so lange keine Beeinträchtigung vorliege. "Im zweiten Quartal wird eine neue Revision vorgestellt und wir können das betreffende Mainboard anschließend kostenfrei umtauschen", ergänzt Canoa. (map)