EPCOS saniert sich gesund
Nach Einsparungen und der Trennung von defizitären Geschäftsteilen weist der Hersteller von Elektronikkomponenten wieder ein positives Jahresergebnis aus.
Der Elektronikkonzern EPCOS hat die Krise des vergangenen Jahres überwunden und nach Restrukturierung zum Ende des Geschäftsjahres ein positives Ergebnis vorgelegt. Der Hersteller von elektronischen Bauelementen verzeichnete im letzten Quartal des am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahres einen gegenüber den Einnahmen des Vorjahresquartals von 318 Millionen Euro um 10 Prozent gestiegenen Umsatz von 350 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) ist gegenüber dem Vorjahreswert von -11,0 Millionen Euro mit 16,8 Millionen Euro wieder im Plus. Unter dem Strich bleiben EPCOS 10,3 Millionen Euro Gewinn, im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen substanziellen Verlust von -62,6 Millionen Euro verbuchen müssen.
Auch für das gesamte Geschäftsjahr sehen die Zahlen der Münchner wieder freundlicher aus. Bei Umsätzen von 1,309 Milliarden Euro konnte der europäische Marktführer von 1,150 Milliarden des Vorjahres zulegen. Operativ ist EPCOS mit den fortgeführten Geschäftszweigen auch wieder mit 46,8 Millionen Euro im Plus, 2005 hatte das Unternehmen ein negatives EBIT von von -26,9 Millionen Euro ausgewiesen. Das Gesamtergebnis verbesserte sich ebenfalls deutlich von -119,3 Millionen Euro im Vorjahr (-1,83 Euro pro Aktie) auf nunmehr 21,2 Millionen Euro oder 0,32 Euro pro Aktie. Für das kommende Jahr erwartet EPCOS einen weiter steigenden Umsatz, der im ersten Quartal zunächst noch auf dem Niveau des Schlussquartals liegen dürfe. Das operative Ergebnis soll in allen Sparten wieder positiv werden.
Denn noch ist die Sparte Kondensatoren mit Einmaleffekten aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm belastet. EPCOS hatte sich im September entschieden, die Entwicklung von Doppelkondensatoren einzustellen. Das Unternehmen sah angesichts verbesserter billigerer Konkurrenztechnologien nur noch schlechte Perspektiven für eine erfolgreiche Vermarktung. Die Entwicklungskosten hatten schon die Ergebnisse der Vorquartale belastet, die Einstellung des Projektes, die 35 Mitarbeiter den Job kostete, schlägt noch einmal mit rund 6 Millionen Euro negativ auf das Ergebnis der Sparte durch.
"Wir haben unsere selbst gesteckten Ziele erreicht und den Turnaround geschafft", fasste Vorstandsvorsitzender Gerhard Pegam die Ergebnisse zusammen. "EPCOS konnte seine Marktposition und Wettbewerbsfähigkeit verbessern und ist bei der Beseitigung von Verlustquellen gut vorangekommen." Das in schönem Business-Neusprech "COMPETE" (COst Management, Process Excellence, Time Efficiency) genannte Restrukturierungsprogramm hat im laufenden Jahr für Einsparungen von rund 100 Millionen Euro gesorgt. Zu den Verlustquellen gehörten das Geschäft mit Tantal-Kondensatoren, dass EPCOS Ende 2005 abgestoßen hatte. Verluste brachte offenbar auch der Standort in Spanien, der sich in Restrukturierung befindet. Die Kondensatoren-Fertigung auf der iberischen Halbinsel wird ebenso wie die in Brasilien nach China, Indien und Ungarn verlagert.
EPCOS beschäftigt weltweit 17.900 Menschen, das sind rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Personalzuwachs vollzog sich aber "in Ländern mit niedrigen Arbeitskosten", vor allem in China, beruhigt das Unternehmen die Analysten. Über die Hälfte der EPCOS-Mitarbeiter sitzen bereits in Asien, nur 11 Prozent sind noch in Deutschland beschäftigt. (vbr)