Chef von chinesischer Handelsplattform geht nach Großbetrug

Alibaba.com gilt als weltgrößter Handelsplatz für Unternehmen. Mehr als 2300 Händler sollen in den vergangenen zwei Jahren unter Beihilfe von Alibaba-Mitarbeitern systematisch ihre Kunden betrogen haben.

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Von
  • dpa

Ein gewaltiger Betrugsfall erschüttert die chinesische Handelsplattform Alibaba.com, den weltgrößten Marktplatz für Unternehmen. Mehr als 2300 bei Alibaba angemeldete Händler hätten in den vergangenen zwei Jahren systematisch ihre Kunden betrogen, teilte das Unternehmen mit. Dabei hätten ihnen rund 100 der insgesamt 5000 Vertriebsmitarbeiter von Alibaba geholfen. Firmenchef David Wei zog die Konsequenzen und trat zurück.

Bei Alibaba handeln Unternehmen untereinander. Die Bedeutung der chinesischen Wirtschaft als "Werkbank der Welt" hat die 1999 gegründete Plattform schnell zu einem belebten Marktplatz gemacht. Inzwischen hat Alibaba mehr als 50 Millionen registrierte Teilnehmer.

Die Masche der Betrüger war es, beliebte Verbraucherelektronik zu "sehr attraktiven Preisen" in relativ kleinen Stückzahlen anzubieten, wie Alibaba nach einer tiefgreifenden Untersuchung berichtete. Der durchschnittliche Order-Wert betrug demnach lediglich 1200 Dollar. Die Geräte wurden dann nicht geliefert. Eine Sprecherin der Firma sagte der Londoner Zeitung Guardian, betrogenen Käufern seien bisher 1,7 Millionen Dollar erstattet worden.

Die Betrugsmeldungen häuften sich schon seit 2009, das Unternehmen versuchte schon unter der bisherigen Führung gegenzusteuern. Am Montag traten jedoch sowohl David Wei als auch der für das Tagesgeschäft zuständige Elvis Lee zurück. Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass die beiden Manager nicht an dem Betrug beteiligt gewesen seien. Die Führung bei Alibaba übernimmt jetzt Jonathan Lu, der bisher den ebenfalls zum Konzern gehörenden Verbraucher-Marktplatz Taobao leitete. (jk)